Ein Wiedersehen mit Ulrike Schmidt

 

Abschied vom Leistungssport

nach 20 Jahren

 

Als Ulrike Schmidt 2004 beschloss, unter ihre sportliche Karriere einen Schlussstrich zu ziehen, verriet die in Remscheid geborene Athletin ihren Plan nur dem engsten Freundeskreis. So ging in dem Abschiedstrubel um Jörg Ahmann und Axel Hager völlig unter, dass sich eine weitere deutsche Volleyball-Persönlichkeit nach 20 Jahren aus dem Leistungssport zurückzog. "Es gab ja auch keinen Grund, das extra anzukündigen", sagt die 39-Jährige bescheiden, "Menschen, die mich die ganze Zeit begleitet und betreut haben, wussten das. Ich hatte eine schöne Verabschiedung im Kreise meiner engsten Freunde." So lehnte sich Uli entspannt zurück, genoss die "zurecht schön inszenierte" Verabschiedung von Ahmann/Hager und blickte zufrieden auf ihre eigene Karriere zurück. Und da gibt es einiges zu sehen...

 

Die Zeit im Sand und in der Halle

 

Als den größten Erfolg stuft Schmidt ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen in Sydney 2000 ein: "Davon träumt einfach jeder Sportler in seiner Karriere." Mit Gudula Staub landete Uli am australischen Bondi Beach auf dem neunten Platz. Doch nicht nur im Beach-Volleyball, sondern auch in der Halle kann Uli Schmidt auf eine gelungene Karriere zurückblicken.

 

Mit der Nationalmannschaft ist Ulrike international gestartet, z.B. 1990 bei der Weltmeisterschaft oder 1993 bei der Europameisterschaft. Sie absolvierte 75 Länderspiele für Deutschland. In der Bundesliga wurde Ulrike mit dem USC Münster drei Mal Deutsche Pokalsiegerin, drei Mal Europapokalsiegerin und drei Mal Deutsche Meisterin. 1998 hat sie zudem die Auszeichnung zur Hallenvolleyballspielerin des Jahres erhalten. Zwei Jahre später konnte Uli dann dieser Auszeichnung die der Beach-Volleyball-Spielerin des Jahres hinzufügen, 2007 krönte das Volleyballmagazin Uli Schmidt zur wertvollsten Spielerin der letzten 20 Jahre – und das alles als 1,79 Meter verhältnismäßig kleine und annehmende Mittelblockerin. "Diese Auszeichnungen basieren auf den Zusammenfassungen der Statistiken meiner Leistung aus der Bundesliga und Nationalmannschaft und auf den Einschätzungen der Trainer und Journalisten", versucht Schmidt die Erfolge zu relativieren, lässt sich dann doch dazu verleiten, über ihre Qualitäten als Spielerin zu sprechen. "Ich hatte eine gute Ausstrahlung auf meine Mitspielerinnen, wirkte immer motivierend auf die Mannschaft ein und habe auch Verantwortung übernommen, wenn es mal nicht so gut lief. Ich war nicht die spektakulärste oder größte Spielerin, aber ich war sehr schnell, athletisch und dynamisch und habe in allen Bereichen gute Leistungen gebracht." Beim USC Münster fand man die besten Möglichkeiten, Ulis universelle Fähigkeiten ins Spiel einzubringen. So war die Spielerin mit dem unbändigen Siegeswillen nicht nur mental die tragende Säule der Mannschaft, sondern trug die Mannschaft auch mit ihren Leistungen am Netz, in der Annahme oder im Hinterfeldangriff. "Die acht Jahre beim USC Münster waren eine tolle Zeit", sagt Uli, "in solch einem professionellen Umfeld seinem Sport nachgehen zu können und gleichzeitig mein Studium zur Diplom Sportlehrerin damit optimal verbinden zu können, war ein großes Geschenk für mich."

 

 

 

Uli Schmidt mit A. Ahmann bei der EM 2001 in Venedig

Erfolge und Rückschläge als gute Lebensschule

 

Parallel zum Hallen-Volleyball ging die herausragende Sportlerin auch im Sand ihrer Leidenschaft nach. "Damals war der FIVB-Kalender noch nicht so groß, so dass man Halle und Beach noch gut kombinieren konnte", erinnert sich Uli, die bis 2001 beide Sportarten auf hohem Niveau ausübte. Die mit Maike Friedrichsen (heute Dieckmann) 1994 begonnene Beach-Karriere setzte Uli dann 1996 mit Gudula Staub fort. Fünf Jahre prägte das Duo Schmidt/Staub die deutsche Szene und setzte auch international Akzente. 1996, 1998 und 2000 wurden "Uli" und "Gudi" Deutsche Meisterinnen, 1997 und 1999 Deutsche Vize-Meisterinnen. Die Krönung war natürlich die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2000. Für die ehrgeizige Athletin kam danach jedoch eine schwierige Zeit im Beach-Volleyball. Sie hängte die Volleyball-Schuhe an den Nagel, verschrieb sich ganz der Outdoor-Variante, aber ihre Teamkolleginnen wurden vom Verletzungspech verfolgt. "Drei Jahre in Folge fielen meine geplanten Partnerinnen schon im Vorfeld der Beachsaison durch Knieverletzungen aus, da galt es, zu improvisieren", berichtet Uli, die sich nicht unterkriegen ließ, sondern weiter eisern trainierte und mit wechselnden Partnerinnen in den Sand ging. 2001 holte Schmidt mit Andrea Ahmann dann Bronze bei der Europameisterschaft in Italien. Schön war auch die Erfahrung, 2002 mit Sara Goller ein paar Turniere zu spielen. "Das waren Saras Anfänge, damals musste sie noch viel Lehrgeld zahlen. Heute freue ich mich sehr darüber, wie sie sich entwickelt hat." 2003 verbrachte Uli mit Claudia Frank und landete bei den Masters meistens unter den Top Five.

 

...mit Antje Röder bei der DM 04

"Keine feste Partnerin zu haben und nicht so viel trainieren zu können, war natürlich ein Kontrastprogramm zu der Zeit mit Gudi", so Uli, "aber Rückschläge zu verkraften gehört auch zum Sport dazu. Das ist eine gute Lebensschule." Neben der Tätigkeit als Beach-Volleyballerin nutzte Schmidt die Zeit, um ihr zweites Studium zu Ende zu bringen – die Diplom Sportlehrerin schloss auch das Studium zur Sport- und Touristikmanagerin erfolgreich ab. Dann kam ihr Abschiedsjahr.

 

"2004 hatte ich mit Antje Röder eine schöne Saison", erzählt Uli, damals 35 Jahre alt, aber immer noch fit, schnell, dynamisch und nicht weniger ehrgeizig. "Wenn man aber alle Ziele, die man sich für eine sportliche Karriere gesetzt hatte, erreicht hat, kann man auch getrost diesen Lebensabschnitt abschließen und sich neuen Zielen widmen", so Schmidt.

 

 

"Back to the Roots": Uli zurück in Nordrhein-Westfalen

 

Nach einem kurzen beruflichen Intermezzo in einer Hamburger Agentur wurde Uli Beach-Volleyball-Verbandstrainerin im Westdeutschen Volleyball-Verband (WVV). Dass sie 2006 in einem Sonder-Trainerlehrgang des Deutschen Volleyball-Verbandes die höchste Trainerlizenz für Beach und Halle erworben hat, zahlte sich also gleich aus. 2007 war Schmidt zudem parallel auch als Bundestrainerin für die männliche U18/U19-Jugend zuständig, aber diese Position ließ sich schließlich zeitlich nicht mit ihrer Tätigkeit als Verbandstrainerin vereinbaren.

"Die Arbeit macht sehr viel Spaß", schwärmt Schmidt, die für AuswahlspielerInnen in Nordrhein-Westfalen zuständig ist. "Ich begleite die Jugendlichen im Rahmen unserer Förderung ab ihrem 15. Lebensjahr und versuche, ihnen nicht nur das sportspezifische Handwerk, sondern auch das leistungssportliche Denken zu vermitteln." Die A-Lizenz-Trainerin hilft den Talenten, ihre Lebensweisen an den Leistungssport anzupassen und gleichzeitig die Schule positiv abzuschließen. All das beinhaltet viele Gespräche mit den Heimtrainern und Eltern, damit alle an einem Strang ziehen, um den Nachwuchsathleten zu ermöglichen, sich im Sport zu verwirklichen. Ulis Arbeit hat aber auch noch mehr Facetten: Aus- und Fortbildung von Trainern und Lehrern, Unterstützung der Vereine und Schulen bei ihren Projekten und Camps beispielsweise. "Es ist schön, dass ich als ehemalige NRW-Spielerin all das, wovon ich auch damals profitiert habe, jetzt zurückgeben kann", so Uli Schmidt, die beim Verein Rote Erde Schwelm entdeckt, zum Auswahltraining eingeladen wurde und dann aus der Bezirksliga den Sprung direkt in die 2. Bundesliga beim TV Hörde schaffte. Nach einer Erst-Liga-Saison dort landete sie beim Erfolgsverein USC Münster. Mit ihrer Tätigkeit nach dem eigenen sportlichen Erfolg ist die 39-Jährige zufrieden. "Die Arbeit ist vielfältig und reichhaltig und es macht großen Spaß, weil es immer wieder Jugendliche gibt, die den Weg des Leistungssports einschlagen wollen", erzählt Uli begeistert, "und diesen Weg kann ich nur empfehlen, weil Leistungssport eine Schule fürs Leben ist."

 

 

Ulrikes Erfolge im Überblick:

 

Halle

1991: Deutsche Pokalsiegerin (USC Münster), Ernennung zur Nationalspielerin, Teilnahme WM China

1992: Deutsche Meisterin, Europapokalsiegerin (USC Münster), Nationalspielerin

1993: Nationalspielerin, Teilnahme EM und Grand Prix Asien

1994: Europapokalsiegerin (USC Münster)

1996: Deutsche Meisterin, Deutsche Pokalsiegerin, Europapokalsiegerin (USC Münster)

1997: Deutsche Meisterin, Deutsche Pokalsiegerin (USC Münster)

1998: Auszeichnung zur Hallenvolleyball-Spielerin des Jahres

 

Beach-Volleyball

Deutscher Meister: 1996, 1998, 2000 (Mit Gudula Staub)

Deutscher Vizemeister 1995, 1997, 1999

1996-2003: Insgesamt 14 DVV-Masterssiege

1998: 5. Platz FIVB World Tour in Portugal

1999: 7. Platz FIVB World Tour in Brasilien

1999: 5. Platz bei den Weltmeisterschaften in Marseille

1999: 4. Platz bei den Europameisterschaften

2000: 4. Platz in Berlin

2000: 9. Platz Olympische Spiele in Sydney

2001: 3. Platz bei den Europameisterschaften

 

 

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