Beach-Volleyball im Land der Gegensätze

15.02. - 18.02.2017: FIVB Kish Island

Dirk Westphal spielt seit vier Monaten Volleyball im Iran. Das Beach-Volleyball-Turnier auf der Insel Kisch ist ein Versuch, das Land dem Westen zu öffnen. Ein Wunsch, den ein Großteil der Bevölkerung hegt, glaubt Westphal.

Dirk Westphal baggert im Land der Gegensätze

Als erster deutscher Volleyballspieler wechselte Dirk Westphal Ende September in den Iran. Der 78-fache Hallen-Nationalspieler spielt in der Superliga und lebt in der Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt Tabriz, die er als „relativ europäisch“ beschreibt. Für Westphal (31) ist Iran ein „Land der Gegensätze“. Es herrscht Alkoholverbot, gleichzeitig eröffnet in Teheran gerade ein Rehabilitationszentrum für Alkoholkranke, von denen es schätzungsweise 200.000 Menschen im Land gibt. Frauen hat das totalitäre Regime Verschleierung auferlegt. „Wenn ein Flugzeug auf iranischem Boden aufsetzt, beginnt in der Kabine das große Kramen in den Handtaschen“, erzählt Westphal. „Dann ziehen die Frauen ihre Hijabs hervor, die sie aber besonders hier im Norden nur locker auf die Haare legen.“

In den vergangenen Monaten ist ihm aufgefallen: Die Bevölkerung denkt anders als das Regime. „Die Mehrheit ist viel europäischer als wir glauben und wünscht sich eine Öffnung gegenüber dem Westen“, sagt Westphal. Moderne Events sollen dabei helfen, so fand am vergangenen Wochenende im Skigebiet Dizin ein Snow-Volleyball-Turnier statt, an dem auch die beiden Deutschen Benedikt Doranth und Yannick Beck teilnahmen, die sonst auf der smart beach tour aufschlagen.

Drei-Sterne-Turnier auf der Insel Kisch

Über 1.000 Kilometer weiter südlich auf der Insel Kisch wird ab Mittwoch auch wieder weniger bekleidet gebaggert. Im vergangenen Jahr vergab der Weltverband FIVB zum ersten Mal ein World-Tour-Turnier nach Iran. Von Mittwoch bis Samstag spielen nun erneut 40 Männerteams auf der Insel in der Provinz Hormozgan um 100.000 US-Dollar Preisgeld. Aus deutscher Sicht gehen Markus Böckermann/Lars Flüggen, Jonathan Erdmann/Armin Dollinger, Tim Holler/Sven Winter und Lorenz Schümann/Julius Thole an den Start.

Schon im vergangenen Jahr stand das Turnier in der Kritik, weil nicht nur das Teilnehmerfeld, sondern auch das Publikum auf das männliche Geschlecht beschränkt wurden. Seit der Revolution 1979 dürfen Frauen im Iran nicht mehr bei Fußballspielen zuschauen, 2012 wurde dieses Verbot auf Volleyball ausgeweitet. Die Vorgabe der FIVB, die Veranstaltung jedem zugänglich zu machen, wurde auf Kisch nicht erfüllt. 

Nur ausgewählte Frauen dürfen zusehen

Nach tagelangen Protesten setzten die Organisatoren kurzzeitig ausgewählte Frauen auf eine Tribüne und schickten diese Bilder in die Welt. Tatsächlich ist es Frauen aber nach wie vor untersagt, Volleyballspiele der Männer anzusehen. Auch Westphal hatte während seiner Saison in der Superliga außer ausgewählten Journalistinnen keine weibliche Zuschauerinnen. Das gilt aber auch umgekehrt: Bei den Spielen der Frauen, die ebenfalls in der Superliga aktiv sind, dürfen keine Männer zusehen.

Westphal selbst war vor zwei Wochen auf Kisch. Bei 26 Grad sah er viele Touristen in schnellen Exportautos. Am Strand laufen die Männer in Badeshorts herum, Frauen ohne lange Kleidung hat er aber nicht gesehen. „Das wäre nicht denkbar“, sagt er. Die Strände sind nach wie vor nach Geschlechtern getrennt, genau wie die Sportveranstaltungen. Die iranische Insel ist Freihandelszone und damit Einkaufsparadies für Iraner und Touristen. Sie gilt als etwas offener als viele andere Städte im Land, auch weil man kein Visum benötigt, sofern man nicht länger als zwei Wochen verweilen möchte.

Sebastian Fuchs durfte nicht in die USA einreisen

Einreiseprobleme kann man allerdings anschließend bekommen. Im August 2016 durfte der Beach-Volleyballer Sebastian Fuchs nicht in die USA einreisen, weil er das Kish Island Open im Februar gespielt und einen iranischen Stempel im Pass hatte. 

Durch das von US-Präsident Donald Trump verhängte äußerst umstrittene Einreiseverbot hat sich die Situation zwischen Iran und den USA weiter verschärft. Ende Januar wurde dem isländischen Taekwondo-Kämpfer Meisam Rafiei die Einreise in die USA verweigert, weil er im Iran geboren ist. Anfang Februar wusste der US-amerikanische Beach-Volleyball-Spieler Ryan Doherty noch nicht, ob ihm die Einreise in den Iran erlaubt sein würde. „Das wäre eine Schande, einer der wichtigsten Aspekte des Sports ist es doch, verschiedenste Menschen zusammen zu bringen", sagte er uns.

Der US-Verband konnte in Zusammenarbeit mit dem olympischen Komitee der USA (USOC) und den zuständigen staatlichen Stellen aber eine Lösung erzielen, die Rafiei seine Einreise ermöglichte. Und auch bei den Beach-Volleyballern Ryan Doherty/John Mayer und Marty Lorenz/Adam Roberts sollte es bei der Iran-Reise nun „keine Probleme geben“, sagte Corinna Calabro, Kommunikationsmanagerin von USA Volleyball, diesem Medium.

Westphal geht wieder in den Sand

Dirk Westphal hingegen ist gerade dabei, sich um seine Ausreise aus dem Iran zu kümmern. Am Mittwoch spielt er mit seinem Klub Shahrdari Tabriz gegen den Ersten der Hauptrunde, Sarmayeh Bank. Im Hinspiel unterlag sein Team 2:3, bei einer erneuten Niederlage ist für Westphal die Saison und somit auch das bislang größte Abenteuer seiner Karriere erst einmal beendet. Dann kehrt er zu seiner Freundin Anja und Sohn Chris (4) nach Berlin zurück. „Bis ich dann mein Ausreisevisum bekomme, könnte bei dem Organisationsniveau unseres Vereins aber einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagt er. 

Für den Sommer hat er schon einen Plan: Der 78-fache Hallen-Nationalspieler will seine Beach-Volleyball-Karriere wieder aufleben lassen. 2011-2013 pflügte Westphal an der Seite von Tilo Backhaus, inzwischen Bundestrainer der deutschen Damen, durch den Sand und qualifizierte sich zweimal für die Deutschen Meisterschaften am Timmendorfer Strand. Gleiches will er nun mit Patrick Gruhn (24) schaffen, der in der vergangenen Saison an der Seite von Peter Itzigehl Platz 13 beim super cup in Binz belegte.

Außerdem gründen die beiden Männer gerade einen Beach-Volleyball-Verein „Hauptstadt Beacher“, unter dessen Dach sie mehrere Beach-Volleyball-Teams bündeln wollen, damit die sich besser und gezielter vermarkten können. „So wie die Strukturen im Verband in den letzten Jahren waren, kommt wenig Unterstützung bei den Sportlern an“, findet Westphal. „Es macht Sinn, wenn man Alternativen schafft und das privat organisiert“, sagt er.

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