Ein ungewöhnlicher Titel in einem ungewöhnlichen Land

Techniker Beach Tour

Julia Laggner und Kim Seebach sind das „Team des Jahres” – in Namibia. Der Lohn für eine Herausforderung der besonderen Art.

Die erste internationale Medaille für Namibia geholt

„Team of the year” und das gleich eines ganzen Landes – das muss man erst einmal schaffen. Julia Laggner hat mit ihrer Partnerin Kim Seebach die Wahl zum Team des Jahres gewonnen – in Namibia. Laggner und Seebach sind nämlich in dem Staat im Südwesten Afrikas geboren, aufgewachsen und haben dort als Schülerinnen Beach-Volleyball gelernt. Und als Team haben sie in diesem Sommer bei den African Beach Games auf den Kap Verden die Silbermedaille gewonnen. Es war die erste internationale Medaille für ein namibisches Team. Ihr Trainer James Verrinder hat sich anschließend über den Volleyball-Verband beim Komitee der NASA, dem Namibia Sports Awards, die der Namibia Sports Commisssion angehört, für eine Nominierung seiner Spielerinnen stark gemacht und am Ende haben sie die Wahl gewonnen. Dafür gab es neben einem Pokal noch 50.000 Namibische Dollar, was ungefähr 3100 € entspricht. Den Preis konnten sie aber leider nicht persönlich in Empfang nehmen: Sie hätten die Reisekosten allein tragen und Urlaub nehmen müssen. So wie es bei Sportlern aus Namibia leider üblich ist.

„Wir waren sehr überrascht, Geld zu bekommen”, sagt Julia Laggner, die in Berlin als Account Manager in einer Werbe-Digital-Agentur arbeitet und mit Lucas Mäurer zusammen lebt. „Wären sie doch mal in der Vergangenheit so großzügig gewesen.” Für den Start bei den African Beach Games hatte sie über eine Crowdfunding-Aktion 3000 € gesammelt, mit denen sie und Kim Seebach, die in Fulda lebt, in Berlin trainieren und sich vorbereiten konnten. Parallel spielte Laggner mit Melanie Höppner bei sechs Turnieren der Techniker Beach Tour mit und verpasste knapp die Teilnahme den Deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand. Die nationale Serie half Laggner, sich weiter zu entwickeln. Seebach hatte diese Möglichkeiten nicht, trotzdem standen sie am Ende bei den African Beach Games im Finale (0:2) gegen ein Duo aus Marokko, das sie in den Pool Matches noch besiegt hatten.

Ein Start in Tokio wäre möglich

Es wird wohl Laggners letztes Spiel für Namibia gewesen sein, sagt sie, wenngleich sie Chancen sieht, sich für höhere Weihen qualifizieren zu können. 2016 war sie Dritte beim Qualifikationsturnier Afrikas für die Sommerspiele in Rio. Es gewannen zwei Ägypterinnen, die an der Copacabana die ersten Gegner von Ludwig/Walkenhorst waren. Drei Jahre später sagt Laggner: „Wenn ich eine Partnerin auf meinem Niveau hätte, könnten wir uns für Tokio sehr sicher qualifizieren.” Doch in Namibia gibt es keinen Leistungsgedanken wie hierzulande. „In der Schule lernt man ab zwölf Beach-Volleyball, aber nach dem Abitur wollen alle ins Ausland zum Studium und dann zählt der Sport nichts mehr.” Hallenvolleyball spielt gar keine Rolle. „In Deutschland habe ich erst einmal das Läufersystem erlernen müssen.”

Laggner ist auch nach dem Abitur nach Deutschland gekommen, dank deutscher Vorfahren hat sie zwei Staatsbürgerschaften und konnte in Hamburg ein Studium beginnen. „Aber um in die deutsche Beach-Community reinzukommen, musste ich wochenlang Helke Claasen und Mischa Urbatzka bequatschen, um wenigstens bei der Jugend mittrainieren zu können.” Laggner hat sich durchgebissen und in diesem Jahr mit Höppner immerhin einen 9. Platz in Nürnberg und fünf Mal Rang 13 erreicht.

Hohe psychische Belastung für weiße Frauen

Mit einem Start für Namibia sind aber noch andere Herausforderungen zu meistern. Es gibt kein Geld, 95 Prozent der Mittel, die dem namibischen Sport zur Verfügung stehen, gehen in den Fußball und in Rugby, die restlichen fünf Prozent müssen sich alle übrigen Sportarten teilen. Zudem ist es für weiße junge Frauen eine sehr hohe psychische Belastung, in afrikanischen Ländern zu spielen: „Wir waren in Nigeria bei der Olympia-Quali mit einem eigenen Bodyguard unterwegs, weil Boko Haram überall Zugriff hat”, sagt Laggner. Zudem treffen sie immer wieder auf Menschen, „die noch nie eine Weiße gesehen haben und uns alle anfassen wollen.” Darauf hat sie keine Lust mehr.

In Berlin hat sie jetzt eine Trainingsgruppe gefunden, für die sie neben dem neuen Job noch Zeit hat. Was im nächsten Sommer ansteht, weiß sie noch nicht. Aber aus diesem Jahr nimmt sie immerhin einen besonderen Titelgewinn mit: „Team of the year in Namibia.”

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