Jörg Ahmann und Axel Hager beenden ihre Karriere

 

„Noch ein letztes Mal Centre Court“

Niemand in Deutschland hat Beach-Volleyball derart geprägt wie das sympathische Duo Jörg Ahmann und Axel Hager. In Valencia spielten die beiden im September ihr letztes gemeinsames Turnier. Ein Rückblick auf eine Karriere, die untrennbar mit der Entwicklung dieser Sportart verbunden ist.

Erinnern wir uns noch einmal an die diesjährigen Deutschen Meisterschaften am Timmendorfer Strand: Court Nr. Vier. Ein sonniger Samstag-Vormittag. Da hatte Jörg Ahmann still auf seinem Stuhl gesessen und geweint. Er hatte die Ellenbogen auf seine Knie gestützt und hielt die sandigen Hände vor das Gesicht. Erschöpft sah er aus. Um ihn herum tobte der Beifall. Jörg Ahmann und sein Partner Axel Hager hatten ihr Spiel gerade verloren, aber die Zuschauer besaßen ein gutes Gespür dafür, dass an diesem Tag besonders die beiden Unterlegenen ihren Applaus verdienten.

Es war ein sehr emotionaler Moment, der sich da auf dem kleinen Nebencourt ereignet hatte. Dort, wo es keine Sitzplätze gab und keine Moderatoren, die die Menge anheizen. Hier zählte nur der Sieg und genau der wollte dem erfolgreichsten deutschen Beach-Volleyball-Duo nicht mehr gelingen. Die zweite Niederlage bedeutete das Aus für Ahmann/Hager - ausgerechnet an dem Ort, wo sie ihren ersten großen Sieg feierten. Es war ihr letzter gemeinsamer Auftritt auf deutschem Boden. Vergangenes Wochenende nahmen die beiden bei der European Champioship Tour in Valencia nun auch Abschied von der internationalen Bühne. Mit mehr Erfolg: Erst im Finale mussten sich Ahmann/Hager geschlagen geben. Nur ein kleiner Trost nach dem bitteren Ausscheiden in Timmendorf.

Jörg Ahmann wurde 1966 in Grevenbroich geboren, Axel Hager ist drei Jahre jünger und stammt ursprünglich aus Burg auf Fehmarn. Nicht nur, dass das Duo weitaus früher seine Leidenschaft für den Sand-Sport entdeckte als andere Sportler. Beide sind untrennbar mit der Entwicklung des deutschen Beach-Volleyballs verbunden.

1993 holten sie sich in Timmendorf zum ersten Mal den Titel des Deutschen Meisters. Zu diesem Zeitpunkt gab es in dem kleinen Ort an der Ostsee aber noch längst nicht ein solches Medienspektakel wie heute. Beach-Volleyball war eine Randsportart. Die meisten Spieler betrieben den Sport als Sommer-Hobby und legten die Konzentration auf die Hallensaison im Winter. „Vince“ und „Hägar“, wie sie mit Spitznamen genannt werden, waren das erste Team, dass sich komplett auf Beach-Volleyball spezialisierte. Eine Entscheidung, die Wirkung zeigte: Nach 1993 holten sie sich den Titel des Deutschen Meisters auch noch 1995, 1996, 1997 und 1998. Damit wurden die ersten nationalen Beach-Profis Ahmann/Hager zunehmend auch zu Identifikationsfiguren. Immer mehr Volleyballspieler kehrten der Halle den Rücken und versuchten ihre Profilaufbahn im Sand fortzusetzen. Die Sportart florierte, die Turniere wuchsen und es kamen neue Wettkampfstätten hinzu. 1995 fand in Berlin das erste World Series Turnier auf deutschem Boden statt und 1996 wird die ehemalige Randsportart in Atlanta erstmals zur Olympischen Disziplin. Klar, dass Ahmann/Hager bei der Premiere dabei waren. Sie überzeugten die Zuschauer mit einem guten neunten Platz.

Auf ihren größten Triumph sollten Vince und Hägar allerdings noch vier Jahre warten müssen. Es waren die Olympischen Spiele 2000 in Sydney, bei denen das Duo sensationell die Bronze-Medaille gewann. Niemand hatte die zwei Deutschen auf der Rechnung gehabt, die das erste Beach-Edelmetall für ihr Heimatland holten - und zudem die erste Volleyball-Medaille bei Olympischen Spielen nach der Silbermedaille der DDR-Frauen 1980 überhaupt. Der unerwartete Olympia-Erfolg brachte der Sportart Beachvolleyball einen weiteren Schub und spülte Ahmann/Hager aufgrund der steigenden Anzahl von Sponsorenverträgen nun deutlich mehr Geld in die Kasse. Eine dritte Teilnahme an den Olympischen Spielen scheiterte aber von vorne herein an einer Verletzung von Jörg Ahmann.

Doch auch auf europäischer Ebene hatte das Duo zeitweise für Aufsehen gesorgt. Bei den Europameisterschaften gelang ihnen 1996 der zweite Platz, noch in diesem Jahr überraschten sie mit dem fünften Rang. Allein bei den Weltmeisterschaften gab es nie viel zu holen. Der größte Erfolg war hier ein 13. Platz bei der WM in Klagenfurt 2001.

In den vergangenen Jahren ist die Leistungsdichte im Beach-Volleyball stark angestiegen. Das wissen beide. „Man merkt, dass man von Jahr zu Jahr mehr trainieren muss, um weiter oben mitspielen zu können“, hatte Jörg Ahmann im letzten Jahr gesagt. Die diesjährigen Deutschen Meisterschaften in Timmendorf sollten den Kreis schließen. Hier wollten die Gesichter des deutschen Beach-Volleyball-Sports noch einmal ein großes Turnier gewinnen oder zumindest „noch einmal auf dem Centre Court spielen“, wie es Ahmann bescheiden ausdrückte.

Daraus ist nichts geworden. Aber natürlich sind zwei wie Jörg Ahmann und Axel Hager nach ihrem letzten nationalen Auftritt nicht einfach so nach Hause gefahren. Bürgermeister Volker Popp hatte sie nach dem Finale noch einmal in die von ihnen so geliebte Arena gerufen. Was folgte war eine großartige Abschiedszeremonie mit ehemaligen und aktuellen Kollegen der Beach-Szene, Vertretern vom DVV und einigen weiteren Gästen, die es sich nicht nehmen lassen wollten, sich von Ahmann/Hager gebührend zu verabschie-

den. Da standen sie nun, Jörg und Axel, zwei Ikonen dieser Sportart und lächelten berührt, als unter dem Jubel von knapp 6000 begeisterten Zuschauern ein Schild mit dem neuen Stadionnamen enthüllt wurde. Titel am Timmendorfer Strand werden in Zukunft in der „Ahmann-Hager-Arena“ ausgespielt.

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