Underdogs mit Powervolleyball: Harms/Peemüller schmettern sich beim Debüt ins Finale

Techniker Beach Tour

Sie haben Dresden gerockt: Manuel Harms und Richard Peemüller schafften es bei ihrer ersten Teilnahme auf der Techniker Beach Tour überhaupt direkt ins Endspiel. Das ist die märchenhafte Geschichte der Newcomer – eine Beach-Karriere im zweiten Anlauf.

Als das Finale der vierten Station der Techniker Beach Tour auf dem Dresdner Altmarkt, wo im Winter der berühmte Striezelmarkt steht, gespielt war, drehten alle vier Athleten gemeinsam eine Ehrenrunde und bedankten sich mit einer Welle bei den Fans. In einem spannenden Finale hatten Lokalmatador Richard Peemüller und Partner Manuel Harms den Sieg gegen WM-Teilnehmer Sven Winter und Interimspartner Lars Lückemeier durch eine 1:2 (25:23, 12:21, 10:15)-Niederlage knapp verpasst. Auch der Erfolg von Winter/Lückemeier kam überraschend, weil keiner von beiden bisher einen Tour-Titel erringen konnte. Das gelang Sven Winter nun ausgerechnet ohne seinen etatmäßigen Partner Alexander Walkenhorst, der an einer Handgelenksverletzung laboriert und von der Tribüne aus zusehen musste.

Das Turnier in Dresden zum Nachlesen im Newsblog

Doch mit ihrer kraftvollen und emotionalen Spielweise waren Harms/Peemüller DIE Überraschung des Turniers. Wenn insbesondere Richard Peemüller die Bälle ins Feld drosch, entstanden Krater im Sand. Und wenn der 1,98-Meter-Mann dann nach erfolgreichen Angriffen oder Blocks nicht minder kraftvoll jubelte, schwoll seine Halsschlagader auf Gartenschlauch-Durchmesser. So wie im Finale bei jedem seiner sechs erfolgreichen Blocks (siehe Foto). Bei Auszeiten schreit der 21-Jährige schon einmal emotional in Publikum und ballt die Fäuste und Muskeln.

Keiner schlägt so hart wie „Brecher” Peemüller

Überhaupt ist die Geschichte der Underdogs geradezu märchenhaft. Denn dass beide überhaupt in Dresden dabei sein durften, erfuhren sie erst am Donnerstagabend. Nur weil Betzien/Erdmann und Manuel Harms Bruder Yannick mit seinem Partner Philipp-Arne Bergmann in Warschau und das DVV-Perspektivteam Pfretzschner/Sowa bei der U21-WM in Thailand gefordert waren, rückten Harms/Peemüller überhaupt ins Hauptfeld. Noch nie hatte Peemüller vorher auf der deutschen Tour gespielt. „Es war unser großes Ziel, ein Spiel zu gewinnen”, sagt er. Am Ende langte es nach Erfolgen unter anderem gegen Popp/Sievers, vor dem sich Manuel Harms telefonisch Tipps von seinem Bruder holte, fürs Finale. „Das ist der Hammer, der absolute Wahnsinn”, freute sich Peemüller.

Vor der Tourpremiere in Dresden war das neu formierte Gespann den ganzen Sommer über Kategorie-1-Turnier getingelt, um genug Ranglistenpunkte für einen Tourstart zu sammeln. Ein erstes Ausrufezeichen hatte das Gespann beim Turnier im hessischen Frankenberg, dem Heimturnier der Tour-Routiniers Paul Becker und Jonas Schröder. „Das war das erste Mal, dass wir so richtig heiß gelaufen sind”, sagt Richard Peemüller. Ein Vorgeschmack auf das komplette Leistungsvermögen des Duos, weshalb viele Szenekenner es zwar als Überraschung, nicht aber als Sensation betrachten, dass es beide nun auch auf der deutschen Tour Spiele gewannen. „Keiner schlägt so hart wie Richard”, sagt etwa Konkurrent Eric Stadie, der mit Interimspartner Matti Binder im Halbfinale gegen Harms/Peemüller unterlag, anerkennend. „Da kommt keiner ran.”

Dieser Qualität ist sich Peemüller, Student der Wirtschaftswissenschaften, bewusst. „Meine Dynamik und meine Power sind meine großen Stärken”, sagt er und fügt fast entschuldigend hinzu: „Da fühle ich mich wohl, das ist meine Komfortzone. Ich bin eher der Brecher.” Doch das Kraftpaket kann auch anders, zum Beispiel mit einem schnellen „30-Prozent-Schlag” die Linie entlang, den er im Finale zeigte. Auch Manuel Harms sagt: „Ich shotte vergleichsweise auch sehr wenig, nehme auch mal etwas Härte heraus, schlage eher auf die Linien.” Grundsätzlich aber bieten beide spektakulären Power-Volleyball.

Beide wohnen Tür an Tür in einer WG

Auch als Typen passen die beiden Modellathleten perfekt zusammen. Richard ist der Emotionale, Manuel der Überlegtere. „Wenn Richard mal wieder überpaced, dann kann ich ihn runterbringen. Und wenn ich in ein Loch falle, zieht er mich heraus”, sagte Manuel Harms. Zugute kommt dem Team, dass beide „unheimlich gute Freunde” (Peemüller) sind und Tür an Tür in einer WG wohnen. „Wir kennen uns aus dem Effeff. Wenn ich zu ihm rüberschaue, weiß ich genau, was er denkt und was er tut. Andersherum ist das genauso”, erzählt Peemüller. „Wenn es knapp ist und drauf ankommt, gucken wir uns an und geben uns gegenseitig so viel Kraft, dass wir so mental stark sind und nochmal fünf Prozent drauflegen können.” Im Finale gelang das nur im ersten Durchgang, da Lückemeier/Winter konsequent auf Harms aufschlugen, der irgendwann entkräftet war, während Peemüller so nicht zu seinem brachialem Angriffsspiel fand.

2017 hatte der gebürtige Dresdner, der zwei Kilometer vom Altmarkt entfernt aufwuchs, seine Heimatstadt gen Stuttgart verlassen, um unter Bundestrainer und Beach-Legende Jörg Ahmann zu trainieren, „mit dem Ziel, professionell Beachvolleyball zu spielen”, sagt Peemüller. Doch nach der Umstrukturierung des DVV und der Zentralisierung in Hamburg war kein Platz mehr für das Talent. „Plötzlich stand ich als gestandener Zweitligaspieler mit vielen Angeboten aus der 2. Liga in der 3. Liga da, weil ich wegen der Perspektive im Sand alle Zweitligaverträge abgelehnt hatte”, berichtet er.

Beach-Karriere mit Hindernissen

Doch er machte das Beste draus, blieb in Stuttgart wohnen und spielte zunächst in der zweiten Mannschaft des SV Fellbach in der 3. Liga als Außenangreifer, trainierte beim Zweitligateam komplett mit und spielte sich erfolgreich in den Kader der ersten Mannschaft. In der Rückrunde der abgelaufenen Saison wechselte er zum TV Rottenburg in die 1. Liga und unterschrieb jüngst einen Zwei-Jahres-Vertrag bei Erstliga-Aufsteiger Eltmann.

Die Karriere im Sand lief derweil über Umwege weiter. Ahmann bot Peemüller und seinem Partner Manuel Harms an, am Bundesstützpunkt mitzutrainieren, weil es freie Plätze gab. Unter dem neuen Stützpunkttrainer Alexander Prietzel trainieren die Youngster nun vier- bis fünfmal pro Woche im Sand, bisweilen auch mit Beach-Pionier Ahmann, der eigentlich für den weiblichen Nachwuchs zuständig ist. Mit Manuel Harms tat sich Energiebündel Peemüller im Herbst 2018 zusammen. Beide spielten zusammen in Fellbach und hatten nach einem erfolgreich bestrittenen Turnier Lust auf mehr. „Dann haben wir uns gesagt, wenn wir es machen, machen wir es richtig”, sagt Peemüller. So zog er auch Harms emotional mit, der bei den Friedrichshafener YoungStars ausgebildet wurde und wie sein Bruder Yannick das Ziel hatte, Beachprofi zu werden. Nach zwei weniger erfolgreichen Jahren und ohne finanzielle Perspektive spielte er 2018 jedoch nur noch die Baden-Württemberg-Tour. Als dann Peemüller kam, sagte sich auch Harms: „Jetzt greifen wir nochmal an.” Sieht ganz so aus, als seien beide künftig häufiger bei der Techniker Beach Tour dabei.

Sven Winter: „Hoffe, dass ich trotzdem WM spielen darf”

Ob Premieren-Sieger Sven Winter bei der WM dabei sein darf, ist hingegen noch offen. Es sieht derzeit so aus, als müsse Walkenhorst passen, sodass der Verband Lösungen prüft, wer an seiner Seite antreten könnte. „Ich kann nur hoffen, dass Alex fit wird”, sagte Winter in Dresden. „Wenn nicht, müssen wir uns um eine andere Lösung bemühen. Ich hoffe, dass ich trotzdem mit einem anderen Partner WM spielen darf.” Wer das ist, ist noch offen. Blocker Jonathan Erdmann käme theoretisch infrage.

Bei den Frauen triumphierte im Endspiel von Dresden das erfahrene Team Sabrina Karnbaum (28)/Natascha Niemczyk (29) gegen die Overländer-Zwillinge mit 2:0 (24:22, 21:8). Der erste Erfolg des Duos aus Dingolfing seit 2016. Das sechs Jahre jüngere Team vom TV Voerde am Niederrhein war bei der ersten Final-Teilnahme überhaupt nur im ersten Satz ebenbürtig. Natascha Niemczyk, Tochter von Ex-Frauen-Bundestrainer Andrzej Niemczyk, erklärte: „Wir haben nach dem kräftezehrenden Turnier nochmal alles reingehauen, im zweiten Satz haben wir bisschen die Taktik umgestellt und dann hat einfach alles geklappt.” Auch das war eine von vielen schönen Geschichten, die das Turnier in Sachsen bot.

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