Am Freitag ist schon Schluss
Die Bilanz
Sieben deutsche Teams sind bei den Europameisterschaften 2026 in Polen angetreten. Die wohl positivste Nachricht des Turniers aus deutscher Sicht ist, dass alle Frauen-Teams den Sprung aus der Gruppe in die K.-o.-Phase geschafft haben. Bei den Männern bleibt das Team Paul Henning und Lukas Pfretzschner bereits an dieser ersten Hürde hängen. Ein Frauen- und ein Männerteam sind auf Platz 17 gelandet, und insgesamt vier DVV-Teams scheiterten im Achtelfinale und beenden das Turnier auf Platz neun.
Das Turnier kommt zu früh für die deutschen Teams
Von allen deutschen Teams sind allein Svenja Müller und Cinja Tillmann als feste Teamkonstellation nach Stare Jablonki angereist. Die „neuen“ Teams Winter/Huster und Uhl/Grüne hatten es knapp verpasst, ausreichend Punkte für die direkte Qualifikation zu sammeln. Anna Lena Grüne sprang kurzfristig ein, um mit ihrer „alten“ Partnerin Sandra Ittlinger an den Start zu gehen – optimal eingespielt dürften die beiden nach einiger Zeit mit neuen Partnerinnen nicht gewesen sein. Sven Winter, der kurzfristig mit Jonas Sagstetter einen Partner mit ausreichend Punkten fand, erzielte in der Interimslösung sogar noch das beste deutsche Männer-Ergebnis.
Bock/Lippmann und Kunst/Paul haben kürzlich einmal über Kreuz getauscht und sind sich bei den Europameisterschaften direkt im ersten Spiel begegnet. Das knappe Tie-Break-Spiel lässt vermuten, dass keines der beiden Teams in der Kürze der Zeit die Stärken eines neuen Spielstils entwickeln und auf den Platz bringen konnte.
Für Lui Wüst und Nils Ehlers könnte man sagen, dass das Turnier auf andere Weise „zu früh“ kam. Nicht einmal eine Woche ist es her, da hat das erst seit vier Turnieren gemeinsam auflaufende Interimsduo mehrere Weltklasse-Teams geschlagen und die erste Goldmedaille eines deutschen Männerteams bei Elite-Events gewonnen. Dass es schwer werden würde, in der Woche nach so einem historischen Erfolg an die Spitzenleistung anzuknüpfen, ist wohl mehr als menschlich.
In den letzten Monaten ist das „Spielerkarussell“ auf Hochtouren gelaufen. Dass nach Olympischen Spielen Beach-Volleyballteams aufgelöst und andere neu gegründet werden, ist ein gewöhnliches Phänomen. Vor den kommenden Spielen startet die Qualifikation bereits im November 2026, etwa ein halbes Jahr früher als üblich. Das machte den Wechselzeitraum zwischen den Spielen 2024 in Paris und dem Start des Qualifikationszeitraums für 2028 kürzer und damit auch schwerer für die neu zusammengefundenen Teams, sich auf die ersten gemeinsamen Highlights vorzubereiten. Die Bedingungen waren für alle Nationen gleich, doch vielleicht trifft es die deutschen Teams besonders hart, weil es viele Spieler auf internationalem Level knapp unterhalb der Spitze gibt. Die Option, mit einem Partnerwechsel ein höheres Niveau zu erreichen, könnte unter diesen Umständen besonders vielversprechend gewesen sein.
Die Bedeutung der Europameisterschaften
Der Titel Europameister klingt sehr schön, doch er ist ein sehr schnelllebiger Titel, da er jedes Jahr ausgespielt wird. Um in der ewigen Tabelle der meisten EM-Teilnahmen weit oben zu stehen, müsste man schon deutlich im zweistelligen Bereich sein. Clemens Wickler steht bei acht und Laura Ludwig bei 17 EM-Teilnahmen. In diesem Kontext kann schon jede einzelne Europameisterschaft wieder etwas an Bedeutung verlieren.
Das Preisgeld des Turniers spielt mit dem der Elite-Turniere in einer Liga. Die Punkte für die Weltrangliste sind da eher zweitklassig: Es gibt genauso viele Punkte für Gold bei den Europameisterschaften wie bei einem Sieg in der zweithöchsten Kategorie Challenge.
Es ist alles auch eine Frage der Perspektive: Vier Teams in den Top 10 bei Europameisterschaften kann man auch als große Erfolgsmeldung lesen. In der Top-10 der Weltrangliste der Männer verstecken sich nur zwei nicht-europäische Teams, bei den Frauen ist in den Top 10 immer noch jedes zweite Team aus Europa – inklusive Müller/Tillmann und dem frisch getrennten Team Ittlinger/Grüne.
In diesem Jahr war mit dem Titelgewinn auch ein garantierter Spot bei den kommenden Olympischen Spielen verbunden – ein enorm wertvoller Preis. Doch alle Hoffnung und den Fokus deshalb auf dieses Turnier zu setzen, wäre wegen des unfassbar hohen Niveaus der Konkurrenz ein sehr mutiger Plan gewesen.
Ausblick
Wenn im November das Rennen um die begehrten Startplätze für Olympia 2028 startet, hat Deutschland einige Eisen im Feuer. Auch wenn im August 2026 bei den Europameisterschaften kein Team besonders nah an einer Medaille war, werden fast alle deutschen Top-Teams mit der Erfahrung einer gemeinsamen großen Meisterschaft im Rücken in den Qualifikationszeitraum starten, was ein großer Mehrwert bei den anstehenden Aufgaben sein kann. Und bei den kommenden Turnieren, egal ob German Beach Tour, internationale Top-Events oder Meisterschaften, freuen wir uns darauf, wenn wir wieder Spiele mit deutschen Teams auf dem Center Court und im Mehrkamera-Stream verfolgen dürfen.