Ein Wiedersehen mit Axel Hager

 

Vom Milchbubi zum Businessman

 

Es ist wohl immer noch so: Beach-Volleyball assoziiert man automatisch mit dem Duo Ahmann/Hager. Kein anderes Team prägte den deutschen Sand-Sport wie Jörg und Axel. In einer Vorreiterrolle zeigte das Team den professionellen Weg auf, entschied sich früh nur für Beach-Volleyball und hatte damit den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere gelegt. Den Höhepunkt der sportlichen Laufbahn erreichten der 2,02-Meter große Blockspezialist "Häger" und der 1,90-Meter große Abwehrspieler "Vince" mit der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney. Während Jörg Ahmann nach seinem Karriereende als U23-Bundestrainer dem Sport noch erhalten geblieben ist, ist Axel Hager inzwischen von der sportlichen Bildfläche verschwunden.

 

"Ich war gerade in Frankfurt zum 20-jährigen Jubiläumstreffen meines Sport-Leistungskurses. Die haben mich alle mit großen Augen angeguckt, als ich erzählt habe, was ich alles in den letzten Jahren gemacht habe", so Axel Hager. Kein Wunder!

 

In Frankfurt fing alles an. „Die Weichen für die sportliche Laufbahn habe ich mit dem Wechsel ins Internat gestellt“, weiß der 39-Jährige, der von 1985 bis 1988 in Frankfurt die Grundlagen des Volleyballsports beigebracht bekommen hat. Der Schritt hat sich direkt nach dem Abitur bereits ausgezahlt, als der 2,02-Meter große Spieler vom traditionsreichen Hamburger SV unter Vertrag genommen wurde. „Da war ich noch ein richtiger Milchbubi“, erinnert sich „Häger“ an seine Anfänge.

 

Lange hielt es ihn in der Hansestadt jedoch nicht. Bereits zwei Jahre später ging eines der größten deutschen Talente nach Kaliforniern. Mit einem Volleyball-Stipendium in der Tasche konnte Axel auf der California State University, Northridge den „American Way of Life“ erfahren und auch weiterhin seinem BWL-Studium und dem Volleyball nachgehen. „Wir waren richtig gut“, erzählt Axel und in seiner Stimme klingt große Begeisterung mit, „wir waren Dritter und Zweiter in ganz USA.“ Das Entscheidende aber war das, was sich in der Freizeit, wo es keine Uni und keinen Volleyball gab, ereignete. Hager: „An den Stränden von Los Angeles kann man unwahrscheinlich gut Beach-Volleyball spielen, was wir auch gemacht haben.“

 

 

Block Axel Hager

Das hat ihm so großen Spaß gebracht, dass er das, wieder zurück in der Bundesrepublik, fortsetzte. In seinem HSV-Kollegen Jörg Ahmann fand er einen geeigneten Partner für das Abenteuer Beach-Volleyball-Profitum. „In Deutschland kam 1992 der Beach-Volleyball-Sport gerade in Bewegung. In Damp wurde die erste Deutsche Meisterschaft ausgetragen. 1993 haben Jörg und ich das erste Mal teilgenommen und sind gleich Meister geworden“, berichtet Axel, und in seiner Stimme merkt man immer noch die freudige Erregung über diesen sportlichen Erfolg. Den Grundstein für die Überlegenheit des Teams Ahmann/Hager auf deutscher Ebene legten „Häger“ und „Vince“ mit der Entscheidung 1994, von da an sich nur noch auf Beach-Volleyball zu konzentrieren. „Das war unser Vorsprung, den wir in den gesamten 90-ern halten konnten“, weiß Axel, „dann kam meine Verletzung, die Schulter zwickte, aber ich machte weiter, was es natürlich auch nicht besser machte.“ Außerdem schlief die Konkurrenz nicht. Andere Athleten fingen ebenfalls an, am Leben eines Beach-Volleyball-Profis Gefallen zu finden. Von Turnier zu Turnier reisen, an schönsten Stränden der Welt Beach-Volleyball spielen und dadurch viel Geld verdienen brachte immer mehr Volleyball-Spieler dazu, auf Beach-Volleyball umzusatteln und diese Disziplin intensiv zu betreiben. „Die anderen haben sich viel von uns abgeguckt, wir waren ja Trendsetter und machten vor, wie man den Alltag gestalten kann, um Erfolg zu haben“, sagt Axel selbstbewusst und fügt hinzu, „Dann kamen die Dieckmann-Brüder, Oliver Oetke und Andi Scheuerpflug, die waren die größte Konkurrenz, aber wir waren bis dahin sechs Jahre überlegen, haben kaum ein Spiel verloren, da können wir nicht viel falsch gemacht haben.“ Ein Denkmal setzte sich das Duo mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000. Neben den Silbermedaillen der Herrennationalmannschaft der DDR 1972 und der Frauennationalmannschaft der DDR 1980 war es das dritte olympische Edelmetall, das bis dato für den Deutschen Volleyball-Verband geholt wurde. Vier Jahre spielte das Duo weiter, nutzte den Hype um den Olympiaerfolg, kämpfte gegen die Konkurrenz und das Verletzungspech, musste aber nach und nach einsehen, dass die deutschen Teams aufgeholt haben und sie selbst sich nicht mehr weiterentwickeln konnten oder wollten. 2004 war jedes Turnier ein Abschiedsturnier für Ahmann/Hager. Diese zwölf Jahre anhaltende Liaison ging bei der Deutschen Meisterschaft in Timmendorfer Strand zu Ende. Auf einem Nebencourt schied das wahrscheinlich bedeutendste deutsche Duo als 13. aus. Kein sehr rühmlicher Abgang, doch für Axel Hager war das kein Problem: „Ich war überhaupt nicht enttäuscht. Unser Abschied stand schon 2003 fest, und ob wir als Dreizehnter, Neunter oder Fünfter ausscheiden, ist dann auch egal.“ Der Blondschopf schwärmt immer noch von der Abschiedszeremonie auf dem Center Court und weiß dies zu schätzen: „Solch einen Abschied hat noch kein Team bekommen.“ Der Bürgermeister Volker Popp hat neben einer großen Abschiedsrede und speziellen Ehrung auch die für Timmendorfer Strand so markante Tribüne „Ahmann-Hager-Arena“ genannt.

 

Nach solch einer außergewöhnlichen sportlichen Karriere wollte Axel sich ein neues Leben aufbauen. Statt des „Vagabunden-Lebens“ hieß es nun Diplomarbeit schreiben, Studium abschließen, einen Job finden, Familie gründen. „Es war ein riesiger Einschnitt, aber ich wollte das so“, erinnert sich der inzwischen zweifache Vater (Johann und Jacob) an die Zeit direkt nach dem Sport, als er auf einmal keine Einnahmen hatte, kein „Tra-la-la-Leben“ mehr, wie er es selbst nannte. Direkt nach dem Karriereende war der Hamburger für RTL und Premiere als Sportreporter im Einsatz. Achtzehn Monate arbeitete er in Zürich bei der Agentur Global Sports Marketing in der Vermarktung. Vor zwei Jahren gründete Hager, der sein BWL-Studium mit einer Eins abgeschlossen hat, mit drei Kollegen die Eventagentur "Sportplatz". Mit dem ehemaligen Bundesliga-Spieler Werner Richow zusammen führt er die Firma als Geschäftsführer. "Das läuft sehr gut", berichtet die auf der Insel Fehmarn geborene Beach-Volleyball-"Legende", "Wir hatten zur richtigen Zeit, am richtigen Ort eine gute Idee." Sein Traum sei es zwar nie gewesen, sich selbständig zu machen, aber sich permanent auf dem Markt zu behaupten, diverse Sachen auszuprobieren, zu gestalten, jeden Tag neue Erkenntnisse zu gewinnen mache ihm sehr viel Spaß. "Langsam vollziehe ich einen Imagewechsel", stellt Axel mit Freude fest, "Ich bin nicht mehr nur der Sportler, sondern werde mehr als ein Geschäftsmann wahrgenommen."

 

Axel Hager, der sich mit Laufen fit hält und neuerdings auch wieder ein Mal in der Woche Beach-Volleyball spielt, ist zufrieden, wie ihm der Übergang vom Profi-Sport ins "normale" Berufsleben gelungen ist. "Ich würde immer davon abraten, nur Sport zu machen. Viel besser ist es, nebenbei etwas Anspruchsvolles zu verfolgen. Letztendlich ist es egal, wie lange man für den akademischen Zweig braucht. Ich habe auch nur im Wintersemester studiert. Hinterher fragt ohnehin keiner mehr nach", spricht Axel aus Erfahrung.

 

Spätestens jetzt kann man auch seine ehemaligen Mitschüler verstehen, warum sie so große Augen machen, wenn Axel von seinem Leben erzählt.

 

 

Axels Erfolge im Überblick:

 

1991: Deutscher Meister

1995: Deutscher Meister

1996: Deutscher Meister, Vize-Europameister, 9. Platz Olympische Spiele in Atlanta

1997: Deutscher Meister, 2. Platz FIVB World Tour Turnier in Klagenfurt

1998: Deutscher Meister, 2. Platz FIVB World Tour Turnier in Marseille, 3. Platz in Moskau

2000: 3. Platz Olympische Spiele Sydney

2004: 5. Platz Europameisterschaft

 

 

 

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