Die Beach Pro Tour will 2023 wieder nach Hamburg

Im Pressebereich des Hamburger Rothenbaum Stadions stellt sich der Chief Executive Officer von Volleyball World den Fragen der Journalisten. Im Hintergrund werden die Anfeuerungsrufe lauter: Clemens Wickler und Nils Ehlers, die Stars der deutschen Beachszene, machen sich gerade für ihr Viertelfinal-Spiel warm. Mit einem breiten Lächeln beschreibt Finn Taylor wie zufrieden alle Beteiligten mit dem Event im Herzen Hamburgs sind: “Der Erfolg dieses Turniers gibt uns viel Hoffnung, dass wir im nächsten Jahr wieder hier sein werden und uns auch in den Jahren danach hier vergrößern können.”

Wir haben 2022 viel investiert

"Es gibt zwar noch keinen unterschriebenen Vertrag für 2023, aber die Zusammenarbeit zwischen den Verantwortlichen der Hansestadt und der Volleyball World funktioniert", so Taylor. Es gäbe ein gegenseitiges Verständnis, dass man weiterhin Turniere der Beach Pro Tour in Hamburg ausrichten möchte. Einen Namenssponsor des Events haben Zuschauer in diesem Sommer nicht präsentiert bekommen. Taylor gibt sich bei der Thematik aber gelassen: “Wir haben aber viel Investiert und uns darauf konzentriert, ein hervorragendes Produkt zu schaffen. Das Interesse verschiedener Broadcaster und Sponsoren auf der Welt zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.”

15.000 verkaufte Tickets

Hamburg als Standort ist sehr wertvoll: Ein Beach-Volleyball Turnier mitten in einer Weltstadt ist keine Selbstverständlichkeit. Dazu noch das ganz besondere Hamburger Publikum, das spätestens seit der Weltmeisterschaft 2019 einen Platz in den Herzen der Volleyballwelt gefunden hat. Auch die Stadt an sich hat schon eine Anziehungskraft, Zuschauer:innen aus ganz Deutschland und Europa seien zum Turnier gereist – auch das erlebt man bei anderen Beach-Volleyball-Turnieren nicht in der Form. 15.000 Tickets wurden im Laufe der Woche verkauft: Damit ist es eines der besser besuchten Turniere der Tour.  

Die Leute zahlen gerne für ein wertvolles Produkt

Der Verkauf von Tickets ist im Beach-Volleyball hierzulande eine neue Erscheinung, traditionell ist der Eintritt frei. “Es war eine bewusste Entscheidung eine Kultur zu schaffen, in der es normal ist für Tickets zu zahlen. Niemand hinterfragt es für Tennis oder andere Sportarten zu zahlen. Nur Beach-Volleyball hat diese Gewohnheit, keinen Eintritt zu nehmen. Beach-Volleyballer sind nicht weniger Profis in ihrem Gebiet und unser Produkt ist nicht weniger Unterhaltsam als andere. Wir hatten keinen Rückgang an Zuschauerzahlen, das Feedback ist positiv, die Leute verstehen, dass sie etwas zahlen müssen und zahlen gerne für ein wertvolles Produkt,” so Finn Taylor, der schon bei seinem vorherigen Arbeitgeber, dem Cirque du Soleil, die Aufgabe hatte viele Eintrittskarten zu verkaufen. 

Eine der sichtbarsten Veränderungen, seit Volleyball World in der Verantwortung ist, ist das Streaming der Spiele. Erstmals gibt es eine zentralisierte Organisation der Übertragung und alle Partien der zwei höchsten Kategorien werden in einem hochwertigen Mehrkamera-Stream mit englischem Kommentar übertragen. Vorbei sind die Zeiten, als sich Fans auf die Suche nach einer lokalen Website mit einem möglichen Stream machen mussten, in der Hoffnung, dass das Lieblingsteam zufällig auf dem Court spielt, auf dem eine Webcam hinterm Feld aufgebaut war. “Fans können jetzt ihr Team das ganze Turnier über begleiten”, so Taylor. 

Ein Balanceakt

Rund um die Neuerungen gibt es auch Diskussionsbedarf: Das kompaktere Turnierformat Elite 16, ursprünglich (und langfristig) geplant ohne Qualifikation, trifft nicht bei allen Teams auf Begeisterung. Gerade für Teams, die den Sprung in die Weltspitze schaffen wollen, sind die Neuerungen auf den ersten Blick eine große Hürde. Finn Taylor glaubt daran, dass der Beach-Volleyballsport das Potenzial hat für Investierende und Unterstützende ein interessantes Geschäftsmodel zu sein. Die Balance zu finden, zwischen den Interessen der Athlet:innen und dem Ziel ein lukratives Geschäftsmodel zu erstellen, ist eine der Aufgaben an denen alle Beteiligten arbeiten. 

Qualität zahlt sich aus

Nicht nur für Zuschauer und Fans ist diese Entwicklung ein Sprung in ein neues Zeitalter: Teams, die selten bis nie den Weg in ein Halbfinale fanden, hatten bisher kaum eine Chance ihren potenziellen Sponsoren On-Air-Zeiten in TV und Stream zu präsentieren. Laut Volleyball World, in Person von Finn Taylor, haben sich die Zuschauerzahlen trotz der mit den Verbesserungen der Produktion eingeführten Abonnement-Kosten von 5,99€ (7,99€ im Gesamtpaket mit verschiedenen Hallenevents und Ligen) verdoppelt. Besonders auffällig hierbei ist, dass die Zuschauerzahlen auch in Teilen der Welt gestiegen sind, in denen keine Turniere stattgefunden haben. In Nordamerika und Asien zum Beispiel sind die Zuschauerzahlen mit am stärksten und das Interesse von TV-Sendern an den Übertragungsrechten ist sehr groß - und das obwohl hier fast keine Events der Beach Pro Tour stattgefunden hatten. 

Globalisierung ist das Ziel

Volleyball World möchte die Beach Pro Tour weiter globalisieren: Stand jetzt sollen kommende Saison etwa 6 weitere Events (Challenge oder Elite 16) auf dem Tourkalender auftauchen.  Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Events in Nordamerika, Asien und Afrika. 2023 wird erstmals seit 20 Jahren eine Beach-Volleyball Weltmeisterschaft außerhalb von Europa, in Mexiko, ausgetragen. Wo die Reise hingeht? “Das Jahr hat 52 Wochen, rechnen wir eine Woche raus für Weihnachten, dann haben wir unser Potenzial”, so Finn Taylor mit einem Augenzwinkern. 

Der Tour Kalender

Torquay | Elite 16
  • 29. - 03.12.2022, Torquay, Australien, FIVB
Doha | Beach Pro Tour Finals
  • 26. - 29.01.2023, Doha, Katar, FIVB
Hamburg 2023 | Elite 16
  • 14. - 20.08.2023, Hamburg, Deutschland, FIVB