Taktiktipp: Calling

"Cut, Line, nein, ohne" … Ein Call kann so verwirrend sein. Dabei ist die Unterstützung des Spielpartners, wenn sie gut abgesprochen und trainiert wurde, Gold wert. Wann rufe ich, was rufe ich? Die Beach-Academy beantwortet im heutigen Profitipp die wichtigsten Fragen...

                              
Vorab, um allen Missverständnissen vorzubeugen: Der Call bzw. Ruf des Partners, der zuspielt, bezieht sich in der Regel auf die Position des Abwehrspielers, es sei denn, der Blocker löst sich. 


Beispiel: Der Zuruf "Line" bedeutet: "Spiel den Ball longline". Dann kannst du davon ausgehen, dass der Abwehrspieler sehr weit in der Diagonalen steht und z.B. auf einen Cut lauert. Es ist aber auch ziemlich wahrscheinlich, dass der Blockspieler gerade "Line" blockt. Selbst wenn du den Block also nicht sehen solltest, weißt du, dass du deinen Shot hoch ansetzen und über den Block spielen musst (> mehr dazu, was ein Line Block ist, zu den Handzeichen und  der Aufteilung zwischen Block- und Feldabwehr).

Die wichtigste Regel in Sachen Calling ist folgende: Sprecht euch genau ab, WAS und WANN ihr ruft! Zunächst zum "wann". Es gibt Teams, die immer ein "Empfehlung" rufen, sprich den aus ihrer Sicht bestmöglichen Shot zu einem Zeitpunkt, zu dem der Partner noch darauf reagieren kann.

Unsere Empfehlung ist jedoch:
 

Wann rufen? 

Ihr ruft, wenn sich etwas an der erwarteten Abwehrkonstellation ändert und/oder sich dadurch eine deutliche Lücke bzw. Schwäche in der Abwehr auftut. Das bedeutet für das Spiel gegen Gegner, die mit Block und Blocklösen spielen, dass ihr ruft...

… wenn sich Blocker löst, 
 …oder der Abwehrspieler deutlich eine Lücke freigibt (Vorsicht: nicht auf Antäuschen reinfallen). 

 
Der Hintergrund: Im Gegensatz zu "Empfehlungen", die wie oben genannte immer gegeben werden, ist dieser Call für den Angreifer eine sehr konkrete und verlässliche Info. Hört er z.B. ein "Line", dann weiß der Angreifer, dass dieser Bereich für den Shot wirklich frei ist, und das gibt Sicherheit. Andersherum weiß er, dass solange kein Call erfolgt, der Blockspieler am Netz ist und der Abwehrspieler relativ zentral steht. Damit ist auch klar, welche Bälle erfolgversprechend gespielt werden können, wie z.B. ein kurzer Ball, den der Blockspieler gerade nicht mehr selbst sichern kann, oder ein schneller Schlag an die Linie. Dann noch zwei Hinweise zum Timing, die aus dem oben genannten Ansatz resultieren:

- Ruf lieber zu spät, als falsch (sonst geht genau die Sicherheit verloren).
- Ruf nicht so früh, dass der Abwehrspieler den "Call" noch erlaufen kann, sprich fall nicht auf eine Täuschung rein.

 

Nun zur Frage, was man rufen sollte:

- "Ohne" (Block) ist der wichtigste Ruf, wenn der Blocker sich löst. 
- Darüber hinaus braucht ihr Minimum vier Varianten, die den Bereich hinter dem Block ("kurz"), die lange Linie ("Line"), die Diagonale dicht hinter dem Netz ("Cut") und die lange Diagonale (z.B. "cross" oder "dia") bezeichnen. 

Auch wenn der Call unser heutiges Thema ist, so ist es wichtig nicht zu vergessen, dass du als Angreifer immer mit einem Plan im Kopf anläufst und nicht auf den Call des Partners angewiesen bist (> hier geht es zum Trainingstipp von Tom Hikel, in dem du mehr Infos dazu erhältst und die sieben goldenen Regeln eines erfolgreichen Angriffs erfährst).   


Übertragen auf Teams, die ohne Block und Blocklösen spielen (sich direkt zu zweit in der Abwehr "einrichten"): 

Auch hier ist die erfolgversprechendste Variante nur dann zu rufen, wenn sich etwas an der erwarteten Abwehrkonstellation ändert. Ein Beispiel: Als Angreifer gehst du davon aus, dass beide Abwehrspieler etwa auf gleicher Höhe mit gleicher Feldaufteilung im Feld stehen. Du hast also im Kopf, welche Bälle erfolgreich sein könnten (> hier geht es zum entsprechenden Profitipp). Wenn sich nun z.B. ein Abwehrspieler nach vorne bewegt, weil er mit einem kurzen Schlag rechnet, brauchst du die Info "Line" oder "lang" (je nachdem, welche Calls ihr abgesprochen habt). Erfolgt kein Call, weißt du, dass die Abwehrspieler wie erwartet stehen. 

Last but not least: Auch der beste Call ist und bleibt eine Unterstützung, keine Vorgabe. Du als Angreifer entscheidest, welchen Ball du spielst. Aber: Nur der Erfolg gibt dir Recht ;).

 

Übung zum Umsetzen des Calls:

Um dieses Entscheidungsverhalten des Angreifers und die Umsetzung von Calls zu trainieren, bietet sich folgende Übung an, die ihr z.B. auch in euer Aufwärmprogramm integrieren könnt. Ihr schlagt euch wie gewohnt direkt, indirekt oder aus "Dankebällen" ein, der Angreifer hat jedoch die Aufgabe, einen bestimmten Angriff (z.B. hart diagonal oder - etwas schwieriger- immer hart am variierenden Block vorbei) zu schlagen, wenn kein Call erfolgt. Erfolgt ein Zuruf durch den Zuspieler, soll er diesen umsetzen. 

Sitzt die Umsetzung, dann lässt sich die Übung beliebig ausbauen und spielnah gestalten, indem der Abwehrspieler drüben verschiedene Szenarien durchspielt und dem Angreifer auch Freiräume bzw. dem "Zuspieler" Gelegenheit zum Rufen bietet. Beispiel: Jeder Angreifer spielt vier Bälle aus einer "Dankeball-Situation". Der Abwehrspieler läuft bei zwei Bällen ein wenig zu früh oder positioniert sich so deutlich, dass er beispielsweise den Cut oder Line Shot frei lässt. Bei den anderen beiden Bällen wartet er extrem lange auf einer zentralen Position, von der aus er taktische Schläge gut erlaufen kann. Hinweis: Bleibt auch bei der Übung spielnah, sprich löst euch als Blockspieler vom Netz, wenn es angebracht ist, und trainiert diese Situation gleich mit. 

Und nun viel Spaß beim Training!


 

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