Agadir
Marokkos moderne Sonnenstadt mit zweitem Leben
Zehn Kilometer goldener Sandstrand, Atlantikwellen vor der Nase und dazu Sonnenschein an mehr als 300 Tagen im Jahr. Da schlägt doch jedes Beachvolleyball-Herz direkt höher, oder? Das alles bekommst du in Agadir, der wohl entspanntesten Sonnenstadt Marokkos.
Was viele nicht wissen: Diese helle, weitläufige Stadt führt gewissermaßen ein zweites Leben. 1960 wurde Agadir von einem schweren Erdbeben fast vollständig zerstört und anschließend einige Kilometer südlich des alten Zentrums neu aufgebaut. Breite Boulevards und eine moderne, luftige Architektur geben der Stadt heute ein besonderes Flair und bringen erstaunliche Kontraste zu den verwinkelten Altstädten vieler anderer marokkanischer Städte.
Wir nehmen dich mit rund um deine Basis an der Bucht von Agadir, vom weltbekannten Surfrevier im Norden bis zu den stillen Vogelparadiesen im Süden.

Kultur
Wenn du die Geschichte der Stadt verstehen willst, dann fahr am besten hinauf zur Kasbah Agadir Oufella. Die Festung aus dem Jahr 1540 thront auf dem Hügel über der Bucht, und von oben kannst du ahnen, warum Agadir so anders aussieht als die alten Königsstädte des Landes. Am 29. Februar 1960 zerstörte ein Erdbeben die Stadt in nur knapp fünfzehn Sekunden fast vollständig. König Mohammed V. ließ Agadir daraufhin nicht flicken, sondern ein Stück weiter südlich komplett neu und erdbebensicher aufbauen. Das Ergebnis sind moderne, weite Boulevards und viel Grün. Hinauf zur Kasbah geht es bequem mit dem Téléphérique, der ersten Seilbahn Marokkos. Oben liegt dir die ganze Bucht zu Füßen, vom Fischereihafen über die Marina bis zum endlosen Strand. Unten am Hang findest du die Promenade du Souvenir, die an einigen Stellen an die ursprünglichen Viertel erinnert.
Wenn die exotischsten Düfte deine Nase kitzeln, dann bist du auf dem Souk El Had, einem der größten Märkte Marokkos. Hinter hohen Mauern und nummerierten Toren verlierst du dich zwischen Gewürzbergen, Lederwaren, Töpferei und Arganöl.
Kleiner Wegweiser: Über Tor 5 kommst du zu Obst, Oliven und Gewürzen, die Kunsthandwerks- und Schmuckstände findest du rund um die Tore 8 bis 10. Montags bleibt der Souk geschlossen, da ist nämlich Putztag.
Und weil Agadir Marokkos großer Fischereihafen ist, dreht sich kulinarisch vieles um den leckeren Fang. Morgens kommt der Fisch frisch vom Kai und landet mittags direkt gegrillt auf deinem Teller. Probier dich außerdem durch die Spezialitäten der Souss-Region: Arganöl in Speisequalität, nussig und goldgelb, und Amlou, eine samtige Paste aus Arganöl, Mandeln und Honig. Dieser Aufstrich gehört unbedingt auf dein Frühstücksbrot.
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Sport
Der Grund, warum viele Sportler nach Agadir kommen, liegt rund 20 Kilometer nördlich: Taghazout. Aus dem einst verschlafenen Fischerdorf ist eines der bekanntesten Surfreviere Afrikas geworden. Der Star ist Anchor Point, eine weltberühmte, endlos lange Rechtswelle, die bei ordentlichem Winterswell zu den besten Pointbreaks überhaupt zählt und schon in den 1960ern von australischen Surfern entdeckt wurde.
Als Einsteiger kannst du entspannter in Tamraght und Aourir an Spots wie Banana Beach oder Devil's Rock üben. Auch direkt vor Agadir in Anza rollen saubere Wellen.

Ganz im Norden der Küste liegt das kleine Fischerdorf Imsouane. Die Bucht ist berühmt für eine der längsten und sanftesten Wellen des Landes, ein Traum für Longboarder und alle, die lieber locker gleiten. In der Hauptbucht (Plage d'Imsouane) ist das Schwimmen und Surfen für Anfänger ziemlich sicher. Der Cathedral Point dagegen ist ein schneller, kraftvoller Break über flachem Riff und nur etwas für sehr erfahrene Surfer. Die tückischen Strömungen hier solltest du als Anfänger besser meiden.
Den größten Swell (Brandungswellen) hast du von Herbst bis Frühjahr. Ins Wasser gehst du am besten im Neopren (3/2), das Meer hat hier je nach Jahreszeit rund 17 bis 21 Grad.

Wenn du die Bretter lieber gegen Wanderschuhe tauschst, dann mach dich auf ins wunderschöne Paradise Valley. Gut eine Stunde nördlich, über die kurvige Immouzer-Straße durch Arganwälder und Berberdörfer, landest du in einer Schlucht mit glasklaren Felsbecken und kleinen Wasserfällen. Zum ersten Pool läufst du circa eine Stunde. Hol dir deine erste Erfrischung und hüpf von den flachen Felsen ins kühle Nass. Unterwegs lohnt der Halt an einer der Frauenkooperativen, in denen Arganöl noch von Hand aus den Kernen gewonnen wird. Die berühmten Ziegen, die zum Fressen in die Arganbäume klettern, gibt es hier wirklich. Bei den Fotostopps am Straßenrand wird für die Kulisse allerdings oft ein wenig nachgeholfen, ein paar Dirham fürs Bild inklusive.
Ein absoluter Beachvolleyball-Hotspot für Freizeitspieler und die lokale Volleyball-Community liegt direkt an der Strandpromenade (Plage d'Agadir). Die Gruppe Elheetbeachvolley (zu finden auf Instagram) organisiert regelmäßig Spiele am Nachmittag und Abend.
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allgemeine Anfrage
Erholung
So kräftig die Wellen im Norden brechen, so entspannt ist die Bucht von Agadir selbst. Sie liegt geschützt vor dem Seewind, das Wasser bleibt meist ruhig und flach, ideal für lockere Schwimmrunden nach der Beach-Einheit. Von etwa April bis Oktober ist das Meer hier angenehm warm. Am ruhigsten wird es im Süden Richtung Marina, wo schicke Boote im Hafenbecken schippern und nette Cafés zum Verweilen einladen.
Ein Besuch im traditionellen Hammam gehört zu den schönsten Möglichkeiten, wenn du die marokkanische Badekultur erleben willst. Bei Wärme, Dampf und einer gründlichen Reinigung mit schwarzer Seife und dem traditionellen Peeling-Handschuh kannst du deine müden Muskeln nach dem Training wunderbar entspannen. Ein Hammam-Besuch in Agadir ist nicht nur Wellness, sondern auch ein kleines Stück marokkanischer Alltag abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten.
Drei Geheimtipps, die nicht jeder kennt
Oued Massa im Souss-Massa-Nationalpark
Rund 40 Kilometer südlich der Stadt mündet der Fluss Massa in den Atlantik. Der 1991 gegründete Nationalpark schützt hier eine der letzten wildlebenden Kolonien des Waldrapps, eines seltenen schwarzen Ibisses mit gebogenem rotem Schnabel. Er ist fast überall sonst auf der Welt ausgestorben. Zwischen Dünen, Schilf und Lagune tummeln sich außerdem Flamingos und unzählige Zugvögel. Am besten kommst du im März, April oder Oktober, idealerweise mit ortskundigem Guide.
Medina d'Agadir (Coco Polizzi)
Die alte Medina von Agadir wurde beim Erdbeben von 1960 zerstört. Ab 1992 entstand deshalb im Stadtteil Bensergao eine neue Medina nach traditionellen Vorbildern. Der italienisch-marokkanische Architekt Coco Polizzi baute sie aus Stein, Lehm und Holz.
Heute ist die Medina ein lebendiger Ort mit kleinen Werkstätten. Du kannst Handwerkern beim Arbeiten zusehen, Teppiche entdecken oder Silberschmieden über die Schulter schauen. Hier geht es deutlich ruhiger zu als im Souk, und die Preise sind oft fairer. Am ruhigsten ist es am Vormittag. Montags ist die Medina meist geschlossen.
Taroudant
Gut 80 Kilometer landeinwärts, mitten in der fruchtbaren Souss-Ebene, liegt Taroudant. Wenn dir im modernen Agadir die verwinkelten Gassen einer alten marokkanischen Medina fehlen, dann findest du sie hier. Die Stadt wird gern „Klein-Marrakesch“ genannt, ist allerdings weniger trubelig als die ehemalige Hauptstadt. Eine mächtige, lehmfarbene Stadtmauer umschließt den Ort, du kannst sie umrunden, per Pferdekutsche oder Fahrrad, und durch eines der alten Tore in zwei quirlige, herrlich unaufgeregte Souks eintauchen. Auf dem Weg dorthin fährst du durch echtes Arganland, mit den kletternden Ziegen und den Kooperativen am Straßenrand.

Fazit
Agadir und das zweite Leben – gut genutzt würden wir sagen. Hier hast du die perfekte Basis, wenn du Strand und Sport direkt vor der Tür haben möchtest und gleichzeitig neugierig auf das traditionellere Marokko bist. Bei einem leckeren Minztee in der Hand kommt dir wahrscheinlich ziemlich schnell der Gedanke, dass ein paar Tage länger hier gar keine schlechte Idee wären.
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