Ein Wiedersehen mit Beate Faure (Bühler)

Beate Bühler (l.) fühlte sich aber auch im Sand wohl. (<i>Bildrechte: B. Faure</i>)

 

Beate gefunden!

"Das freut mich ja, dass ich noch nicht ganz in Vergessenheit geraten bin", sagte Beate fröhlich bei der ersten Kontaktaufnahme, "aber ich kannte beach-volleyball.de gar nicht." Das ist zwar für uns von beach-volleyball.de weniger erfreulich, aber nachvollziehbar, denn lang ist es her, dass Beate in Deutschland gespielt und gelebt hat.

 

Eigentlich Hallenspielerin

Eigentlich hat Beate Bühler, heute Faure, ihre Karriere in der Halle gemacht. 341 Mal spielte sie im deutschen Nationaltrikot, 1984 nahm sie an den Olympischen Spielen in Los Angeles teil und belegte Platz Sechs. In der Bundesliga wurde sie mit dem SV Lohhof drei Mal deutsche Meisterin, in Frankreich wurde sie mit Racing Paris vier Mal französische Meisterin. "Mit Lohhof gab es viel Ärger, weil ich in Paris länger geblieben war, geplant war nur ein Jahr", erinnert sich Beate. 1991 kam sie wieder zurück nach Deutschland, spielte bis 1995 erfolgreich zunächst bei der TSG Tübingen und schließlich beim USC Münster. "Ich war immer so ein Zwitter", erinnert sich die heute 44-jährige Beate an ihre aktive Zeit, "Ich bin als Annahme-/Angriffsspielerin groß geworden, sollte dann aber, weil ich mit 1,75 Metern recht klein bin, in Lohhof zur Zuspielerin umfunktioniert werden. Ich bin aber erst auf meine 'alten Tage' eine 'echte' Zuspielerin geworden."

Beate (l.) mit Danja beim Cup in Köln. (<i>Bildrechte: DVV</i>)

 

Steile Karriere im Sand

Die Beach-Karriere war denkbar kurz. "Ich habe nur die Anfänge mitgemacht, danach ging es in der Sportart erst richtig los", sagt Beate. Nur drei Jahre widmete sich Beate mit Danja Müsch an ihrer Seite der Sand-Sportart, nahm aber in diesem kleinen Zeitfenster nahezu alles mit, wovon ein Sportler träumt. Sie wurde gleich in ihrer ersten Beach-Saison 1994 Europameisterin, 1995 gewann sie die Deutsche Meisterschaft in Timmendorfer Strand. 1996 reichte es in Timmendorfer Strand lediglich für Platz Drei, aber international verbuchte das Duo Bühler/Müsch viele Erfolge. Das Duo gewann Silber bei der Europameisterschaft – "Hier habe ich meinen zukünftigen Ehemann kennengelernt", wirft Beate noch schnell ein. Bei der World Tour schafften es Danja und Beate zwei Mal ins Finale (Italien, Belgien). "Wir hatten uns aus den Qualifikationen schnell ins Hauptfeld hochgearbeitet", berichtet Beate. So wurde schnell klar, dass es Beate auch mit Beach-Volleyball zu den Olympischen Spielen in Atlanta schaffen würde. "Naja, siebter Platz war jetzt nicht so doll", relativiert Beate den Erfolg. In Rekordzeit spielte sie sich nicht nur national und international in die Spitze sondern auch in die Herzen der Zuschauer: 1995 und 1996 wurde Beate zur Beach-Volleyball-Spielerin des Jahres gewählt. Auch vom Europäischen Volleyball-Verband bekam Beate eine große Anerkennung. Ende 1996 wurde sie zur "Queen of the Beach" gewählt. "Da hatte ich ja schon aufgehört und durfte dann zur Ehrung von Bordeaux nach Wien fliegen. Das war eine schöne Auszeichnung", freut sich Beate auch heute noch über diese Ehrung.

Vor kurzem war Familie Faure im Urlaub in Ägypten. "Nein, wir haben keine Pyramiden im Garten", scherzt Beate. (v.l. Beate, Théo, Stéphane, Rémi)

 

Leben und lieben in Frankreich

"Und dann war ich 32 und habe überlegt, wie es jetzt weiter geht", so Beate, "ich wollte Familie." 1994 hatte Beate bei der Europameisterschaft in Portugal Stéphane, ehemals Frankreichs Nationalspieler, kennen gelernt, der ein Beach-Team betreut hatte. "Da ich Französisch konnte, sind wir schnell ins Gespräch gekommen." Zwei Jahre führte das Paar eine Fernbeziehung – beide waren mit dem Sport viel unterwegs – er als Trainer, sie als Spielerin. "Dass Stéphane nie nach Deutschland kommen würde, war mir klar. Außerdem war ich schon immer francophil und wollte nach Frankreich", so Beate. So zog Beate nach Gradignan, eine kleine Stadt bei Bordeaux, heiratete bereits ein Jahr später und nahm den Nachnamen ihres Mannes an. "Ganz klassisch", sagt Beate, "aber wenn ich meinen Namen behalten hätte, hätten meine Kinder in Deutschland Bühler geheißen und in Frankreich Faure. Das wäre zu kompliziert gewesen." Die Söhne kamen auch bald nach der Heirat. 1998 kam Rémi auf die Welt, bereits 1999 Théo. Irgendwie typisch Beate. Wenn sie weiß, was sie will, sorgt sie dafür, dass sie es auch bekommt, und zwar schnell.

 

Perfekter Job

"Ich bin nach Frankreich gezogen und dachte, als Deutsche in Bordeaux werde ich schon einen Job finden", erinnert sich Beate und fährt schmunzelnd fort, "aber es gab viele Deutsche in Bordeaux." Beate hatte schon 1987 ihre Ausbildung zur Dolmetscherin für Französisch abgeschlossen, ist staatlich geprüfte Übersetzerin für Französisch, und hatte sich um ihre berufliche Zukunft keine Sorgen gemacht. Nachdem sie ihre Zeit als Mutter ausgekostet hatte, fand sie 2006 den perfekten Job. Im Deutschen Generalkonsulat in Bordeaux regelt sie in einer Teilzeitbeschäftigung den gesamten Konsularschriftverkehr. "Das passt genau zu meinen Fähigkeiten", sagt Beate, die von den Franzosen "Béat" oder "Beatrice" genannt wird. "Meinen Namen kann hier keiner aussprechen."

 

Beates beiden Schätze Théo und Rémi (v.l.) verstehen Deutsch, antworten aber ausschließlich auf Französisch.

 

Wohlfühlen in Gradignan

Beate fühlt sich als Deutsche in Frankreich richtig wohl: "Es zieht mich auch nichts mehr zurück nach Deutschland." Auch in der französischen Sprache fühlt sie sich wohl, spricht aber mit ihren Söhnen ausschließlich Deutsch. Allerdings antworten sie ausschließlich auf Französisch. "Es ist schwer für mich, als einzige Deutsche in der Familie konsequent Deutsch zu sprechen, und ich kann auch nicht so tun, als würde ich meine Kinder nicht verstehen, wenn sie nicht Deutsch mit mir reden, aber ich bin mir trotzdem sicher, dass es sich lohnt." Rémi wird das schon bald zu Gute kommen, wenn er in der "Sixième" (fünfte Klasse Gymnasium) u.a. Deutsch als ein neues Fach bekommt. Beate, beach-volleyball.de ist dir jedenfalls dankbar dafür, denn beim ersten Anruf war Rémi am Telefon, er hat alles verstanden und sogar Deutsch gesprochen!

 

Und Beach-Volleyball? "Es ist eine tolle Sportart, so komplett", sagt Beate, "aber ich wollte das nicht so halbwegs machen. Jetzt spiele ich im Sommer ab und zu just for fun, der Strand ist hier nicht so weit weg." Optimale Bedingungen, aber wo ist da die Begeisterung? "Die spielen hier meist Drei gegen Drei", erklärt Beate.

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