Ein Wiedersehen mit Frank Mackerodt

Frank Mackerodt (r.) und Hauke Braak bei der Siegerehrung auf Wangerooge 1993 <i>(Bildrechte: P. Kuchenbuch)</i>

 

Erfolgreich und charismatisch

 

Frank Mackerodt, 46, prägte den deutschen Beach-Volleyball so sehr, dass man sich heute noch in Spielerkreisen nach der "MNP-Zeit" zurücksehnt. Als Hallen-Spieler war er mit dem traditionsreichen Hamburger Sportverein (HSV) vier Mal Deutscher Meister, vier Mal Pokalsieger, Supercup- und Europapokalsieger und absolvierte 111 Länderspiele für die Bundesrepublik Deutschland. Im Sand war er gleich zu Beginn der Beach-Volleyball-Geschichte 1993 mit Hauke Braack Deutscher Vize-Meister. Mit seiner Fähigkeit, absolut perfekt annehmen zu können, mit seinem unglaublichen Willen und Kampfgeist in der Abwehr und mit seiner positiven Ausstrahlung auf dem Feld, wusste er sowohl die Zuschauer als auch alle Volleyball-Athleten ins Staunen zu versetzen.

"Tolles Produkt"

 

Die Masters – ein tolles Produkt

 

Doch "Macke" wäre nicht Macke, wenn das alles gewesen wäre. "Das muss doch in Deutschland auch funktionieren", sagte er sich, als er 1990 in Los Angeles ein Beach-Volleyball-Turnier gespielt hatte. Die Idee ließ ihn nicht los, er gründete 1993 die Agentur MNP und installierte die nationale Masters-Serie. "Damals war es eine Goldgräberstimmung. Beach-Volleyball gab es noch nicht auf solch einem Profi-Niveau wie heute. Wir hatten ein tolles Produkt, dass wir mit harter Arbeit und viel Glück gut vermarkten konnten. Hinzu kam die Olympische Medaille von Ahmann/Hager. Was mir aber am wichtigsten war, war der persönliche Draht zu den Spielern", erinnert sich Frank an die Anfänge, "es war also eine unheimlich geile Zeit."

Mackerodt war von 2000 bis 2009 im Aufsichtsrat des HSV

 

An dieses "tolle Produkt" denken auch die Spieler immer noch gern zurück. Die deutsche Masters-Serie war die größte Turnier-Serie Europas und zählte nach der FIVB- und AVP-Tour zur drittgrößten der Welt. Deutschlands Beach-Volleyball-Athleten erfreuten sich an hohen Preisgeldern (290.000€ pro Saison, zum Vergleich: 2009 werden 180.000 € ausgeschüttet), starker Konkurrenz, professionell aufgezogenen Turnieren und einem unvergleichlichen Komfort durch z.B. gestellte Hotelzimmer für alle Hauptfeld-Teams. Seine Agentur, die er mit zwei Partnern geleitet hat, machte stolze 8 Millionen Euro Jahresumsatz. Und das Masters in Hamburg am Rathausmarkt, das zum ersten Mal 2002 stattfinden konnte, hatte einen speziellen Wert und besondere Symbolik, ist doch der Sitz der Agentur in Hamburg und "Macke", der Anfang 2009 nach neun Jahren im Aufsichtsrat des HSV freiwillig ausstieg, ein eingefleischter Hanseate. Neben der Beach-Volleyball-Masters-Serie vermarktete MNP u.a. auch den Hamburger Marathon und den Surf-Weltcup auf Sylt.

 

 

Insolvenz

 

Doch im Oktober 2003 musste das bis dahin so erfolgreiche Unternehmen Insolvenz anmelden. Dadurch wurden die Beach-Volleyball-Rechte neu ausgeschrieben. "Der Deutsche Volleyball-Verband hat sich entschieden, auf bestehende und funktionierende Sponsoring-Strukturen zu verzichten. Denn unsere Sponsoren wollten alle mit Beach-Volleyball weiter machen, wenn wir weiter machten", sagt Macke. Ob er sich vorstellen könnte, wieder in die Vermarktung von Beach-Volleyball einzusteigen? "Es stellt sich überhaupt nicht die Frage, null", sagt er entschlossen, "Es sind zu viele strategische Fehler nach unserer Zeit mit der Sportart gemacht worden, sodass ich nicht erkennen kann, dass wir mit dieser Sportart noch Geld verdienen können."

 

 

Act Agency

 

Wie so oft lässt sich ein wahrer Sportler jedoch auch außerhalb des Spielfeldes nicht in die Knie zwingen. 2004 gründete Macke die Agentur Act Agency mit den selben Partnern und den selben Sponsoren. "Wir sind offen mit der Situation umgegangen, haben allen Partnern erklärt, was passiert ist, und die haben alle mit uns weiter gemacht", sagt Macke. So konnte er den Hamburger Marathon und den Surf-Weltcup weiter machen, nur mit den Beach-Volleyball-Masters ging es nicht weiter.

 

 

Macke in der Abwehr auf Wangerooge 1993 <i>(Bildrechte: P. Kuchenbuch)</i>

 

Vorbei mit Beach-Volleyball

 

Die einzigen Berührungspunkte mit Beach-Volleyball heute sind die sporadischen Telefonate mit Christian Dau und Hinnerk Femerling, Hauptverantwortliche für die Vermarktung der deutschen bzw. europäischen Beach-Volleyball-Tour, oder eigene Beach-Volleyball-Aktivitäten mit seinen Kindern Marcelle, 11, und Fabienne, 9. "Ich trauere der MNP-Zeit nicht hinterher", sagt Macke, "unserer Agentur geht es sehr gut. Wir haben z.B. den Vertrag zwischen 'Löwi' und Nivea for Men gemacht, vermarkten seit 2005 auch den Kitesurf World Cup in St. Peter-Ording. Um selber noch Beach-Volleyball zu spielen, ist mein Körper aus der aktiven Zeit zu kaputt. Da schwinge ich mich lieber aufs Fahrrad."

 

Was Macke aber wohl am meisten davon abhält, ins Beach-Volleyball-Geschäft einzusteigen, zeigt sich im folgenden Zitat, das auch verdeutlicht, dass Macke ein Vollbluts-Beach-Volleyballer bleibt: "Der Druck, dass die Zukunft der Sportart, die mir so am Herzen liegt, und der Athleten, zu denen ich so einen guten Draht habe, von mir und meiner Arbeit abhängt, ist mir einfach zu groß."

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