Ein Widersehen mit Silke Schmitt


Beharrlichkeit wird belohnt

Silke in ihrem Element, Oldenburg 1999

Silke Schmitt gehört zu der ersten Generation der deutschen Beach-Volleyball-Spieler. Sie entdeckte den Sandbelag, als es lediglich zwei Turniere und die Deutsche Meisterschaft in Damp gab. Und sie gehört zu der Sorte Athleten, die sich alles hart und aus eigener Kraft erarbeiten mussten, denen nichts geschenkt wurde und die viele Rückschläge wegstecken mussten. "Das hat mich aber nur stärker gemacht und ich wollte es umso mehr schaffen", sagt Silke. Die Beharrlichkeit hat sich gelohnt: Drei Mal schaffte sie es auf das Treppchen der Deutschen Meisterschaft in Timmendorfer Strand, sie gewann regelmäßig die Masters Turniere, war mehrere Jahre auf Platz Zwei und Drei der Deutschen Rangliste zu finden und bewies ihre Qualität auch auf internationaler Ebene. Und Silke Schmitt, 41, konnte noch etwas besser als alle anderen: schwanger Beach-Volleyball spielen...

Erfolgreich in der Halle

Als Silke Schmitt 1993 mit Andrea Lipp (heute Ahmann) von ihrem Ehemann Rolf Schmitt "verkuppelt" wurde, konnte sie bereits eine erfolgreiche Karriere als Hallen-Spielerin vorweisen. Sie hatte 65 Länderspiele mit der Nationalmannschaft, ca. 80 Länderspiele als Jugendnationalspielerin bestritten, hatte mehrere Jahre in der ersten Bundesliga gespielt und war 1987/88 mit Bayern Lohhof Deutsche Meisterin geworden, in den zwei folgenden Spielzeiten hatte sie zwei Vize-Meister-Titel gefeiert.

Anlaufschwierigkeiten im Sand

Bevor die Karriere auf Sand richtig in Fahrt kam, hatten Silke und Andrea mehrere Enttäuschungen wegzustecken. So mussten sie sich nach einer langen Anreise aus Stuttgart von den Turnierveranstaltern in Bremen sagen lassen, dass das Turnier wegen schlechter Wetterverhältnisse abgesagt würde. In Duisburg erfuhren sie, dass wegen zu geringer Beteiligung keine DVV-Punkte vergeben würden. Ein weiteres Mal wurde vor Ort kurzfristig beschlossen, dass sie doch nicht im Hauptfeld seien, weil spontan eine Wildcard vergeben wurde. Daher mussten sie gegen dieses Wildcard-Team antreten und den Hauptfeldteilnehmer ausspielen. "Das habe ich den beiden gar nicht gesagt", erinnert sich Rolf, "Erst als sie gewonnen hatten, hatte ich gesagt, jetzt seid ihr im Hauptfeld, Mädels."

Trotz dieser Schwierigkeiten schafften es Silke und Andi 1993, sich als 16. Team für die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren, mussten jedoch wieder einen bitteren Rückschlag einstecken. "Mein damaliger Trainer in der Bundesliga beim TV Dingolfing hat mich nicht freigegeben, weil ich einen Hallen-Vertrag hatte und wir da schon in der Vorbereitung waren", erzählt Silke, "doch all die Enttäuschungen haben uns nur stärker gemacht. Wir haben uns davon nicht von unserem Weg abbringen lassen."

Endlich etabliert

Dann war jedoch der Knoten geplatzt. Ab 1994 war Silke ein fester Bestandteil der deutschen Beach-Szene. Ob mit Andrea Lipp, Maike Friedrichsen, Gudula Krause oder Katrin Petzold – Silke war sowohl bei Masters und Cups als auch bei den Deutschen Meisterschaften vorn mit dabei. "Ich war eine Spielerin, die hart angegriffen, relativ gut geblockt hat und auch aggressiv und laut werden konnte, wenn es um die Wurst ging", beschreibt sich Silke selbst, wie sie auf dem Feld war, "Ich habe auch nicht viel vom Geschehen um mich herum mitbekommen. Ich habe nichts wahrgenommen, was mich hätte negativ beeinflussen können. Und wenn es mal nicht lief, hatte ich sofort im Inneren die 'Jetzt-erst-recht-Haltung'."

Ihr Ehemann und damaliger Trainer Rolf Schmitt bestätigt mit einem Schmunzeln: "Sie war enorm gut darin, alles um sich herum auszublenden und sich nur auf das Spiel zu konzentrieren. Dadurch drangen auch alle Coachingversuche nicht zu ihr durch."

Privater Kontakt wichtig

Silke Schmitt spielte mit sechs verschiedenen Partnerinnen und denkt an jede gern zurück. Mit jeder habe sie sich auch privat gut verstanden. "Das war mir sehr wichtig, dass wir auch privat einen guten Kontakt hatten", sagt Silke. Die Zeit mit Andi jedoch war die intensivste, persönlichste und wichtigste. "Es gab viele Dinge um Beach-Volleyball herum wie z.B. eine Woche Trainingslager bei Andi, dann die Erlebnisse bei den DM, Spiele auf dem Centre Court, Siegerpodest usw. Wir haben immer noch guten Kontakt, haben zwei Mal Silvester zusammen gefeiert." Auch mit Gudula Krause, mit der sie 2001 zusammen auf Punktejagd ging, hat Silke immer noch Kontakt. Ebenso mit Katrin Petzold, mit der sie die letzten zwei Saisons (2002 und 2003) ihrer Karriere verbrachte.

Sportlich sehr prägend war die Saison 1996 mit Maike Friedrichsen (heute Dieckmann), mit der sie international spielte und auch Deutsche Vize-Meisterin geworden war. "Es war toll festzustellen, dass ich mit einem gewissen Trainingsaufwand ganz oben mitspielen konnte", sagt Silke, "der zweite Platz in Italien ist mir in besonderer Erinnerung geblieben."

Schwanger und dennoch erfolgreich

Silke schaffte es auch, zwei Babypausen in ihre sportliche Laufbahn zu integrieren. Die erste Auszeit nahm sie sich 1998 und brachte ihren Sohn Björn zur Welt. Andi tat es ihr übrigens gleich und bekam eine Tochter, so dass in der Szene der Eindruck entstand, die beiden Beach-Cracks stimmen auch die Familienplanung gemeinsam ab. Doch Silke klärt auf: "Das war völlig unabhängig voneinander, es war ein absoluter Zufall und nichts manipuliert." Im Jahr 2000 spielte Silke schwanger (vierter Monat) die Deutsche Meisterschaft und die Niedersächsische Landesmeisterschaft. Ohne Springen und viel bewegen, aber dafür mit Routine und einer runden Kugel schaffte sie es jeweils zum Vize-Meistertitel. Das Baby, das dabei war, ist heute ein groß gewachsenes Mädchen von acht Jahren und heißt Nele.

Das Knie wollte nicht mehr

2003 musste Silke ihre Sand-Karriere beenden. Nach einigen trotz Verletzung gespielten Turnieren, musste sich Silke eingestehen, dass das Knie nicht mehr mitmacht – Arthrose.

Familienglück in Bliedersdorf

Silke hat mit ihrem Mann Rolf und den Kindern (v.l.) Nele, Ben und Björn beim Beach-Camp in Spanien Arbeit und Urlaub miteinander verbunden

Nun gilt ihre ganze Aufmerksamkeit ihrem Mann Rolf, mit dem sie 21 Jahre glücklich ist, davon 11 Jahre glücklich verheiratet, und ihren drei Kindern. Björn, 11, Nele, 8, und Ben, 5, den sie nach der sportlichen Karriere bekam. In Bliedersdorf, einem kleinen Ort südwestlich von Hamburg, haben sie sich in einem Haus niedergelassen. "Wie in der einen bekannten Werbung könnte ich auch sagen 'Ich führe ein kleines Familienunternehmen'", scherzt Silke, "jeder hat seine Pinnwand, auf der alle Termine vermerkt sind, und ich muss da den Überblick behalten, die Kinder entsprechend zur Schule, zum Kindergarten oder zum Sport und zu Freunden fahren usw." Sie ist zwar ausgebildete Sport- und Biologie-Lehrerin, doch noch denkt sie nicht daran, an die Schule zurückzugehen. "Ich möchte meine Energie lieber in meine Kinder investieren und nicht den Berufsstress in die Familie tragen", so Silke, "vielleicht übernehme ich wieder ein paar Stunden, wenn Ben etwas größer ist."

"Es kribbelt noch ein bisschen..."

Silke als Trainerin im Einsatz

Als Abwechslung zum Familienalltag führt Silke verschiedene Beach-Volleyball-Camps durch, meist in Spanien und Tunesien. "Die Beach-Volleyball-Zeit war eine intensive Phase. Rückblickend betrachtend hatte ich viele schöne Jahre in der Halle und im Sand, habe viel erlebt, viel Erfolg gehabt. Es kribbelt schon noch ein bisschen", gibt Silke zu, "aber ich trauere der Zeit nicht hinterher. Es ist nur wirklich schade, dass mein Körper noch nicht einmal im Freizeitbereich der Belastung standhält." Sie reibt sich die Hände und fügt schälmisch hinzu: "Vielleicht entscheiden sich meine Kinder irgendwann für Volleyball, dann kann ich ihnen meine Tipps und Tricks weitergeben..."

Silkes Beach-Erfolge (ein Auszug)

Silke gibt gern ihre Erfahrung weiter

1994 Deutsche Meisterschaft, 5. Platz (mit Andrea Lipp, heute Ahmann)

1996 Deutsche Meisterschaft, 2. Platz (mit Maike Friedrichsen, heute Dieckmann)

FIVB World Tour, Pescara, 2. Platz

Europameisterschaft in Italien, 9. Platz

1999 Deutsche Meisterschaft, 3. Platz (mit Andrea Lipp)

2000 Deutsche Meisterschaft, 2. Platz (mit Andrea Lipp)

Niedersächsische Landesmeisterschaft, 2. Platz

2001 Masters Leipzig, 2. Platz (mit Gudula Staub, heute Krause)

2002 Masters Sylt, 1. Platz (mit Katrin Petzold)

2003 Masters Hamburg, 5. Platz

 

 

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