Die Nummer 1 startet von Platz 2

Bei den Männern gehen die Vorjahressieger Ehlers/Wickler als Favoriten ins Turnier. Als Olympia-Zweite und international etabliertes Duo gehören sie zu den größten Namen im Beachvolleyball. Nach einem schwierigen Saisonstart und einem kleinen Nach-Olympia-Loch sind sie dieses Mal jedoch „nur“ auf Platz 2 gesetzt – ein Hinweis darauf, dass es durchaus andere Teams mit (kleinen) Titelchancen gibt. Ganz vorne auf Position 1 stehen Henning/Wüst. Das Duo zeigt eine aufstrebende Formkurve und hat sich in die Top 15 der Weltrangliste gespielt. Auch auf der Deutschen Tour haben sie ihr Können unter Beweis gestellt. Bei zwei Starts holten sie zwei Siege - in Düsseldorf sowie beim zweiten Turnier in München.

Enges Rennen in der Verfolgergruppe

Dahinter folgt das Team Winter/Pfretzschner (Seed 3), welches zuletzt seine Leistung nicht konstant aufs Feld bringen konnte, aber keinesfalls abgeschrieben werden darf. Spannend bleibt es, wer den vierten Platz im Halbfinale bekommt. Gute Chancen haben Huster/Just (Seed 5), die in dieser Saison unter anderem den Tourstopp Berlin 2 und die FISU World University Games gewinnen konnten. Robin Sowa, im Vorjahr mit Max Just noch Dritter bei den Deutschen Meisterschaften, spielt seit diesem Jahr fest mit Jonas Reinhard zusammen (Seed 7) und das Team zeigte auf der Tour mit fünf Medaillen und einem Titel starke Ergebnisse. Trotz mehrerer Finalteilnahmen auf der Deutschen Tour hat das Team Sagstetter/ Sagstetter (Seed 4) bislang keinen Tourstopp gewonnen – vielleicht gelingt ihnen in Timmendorf der Sprung aufs Podest.

Serien-Meisterinnen

Bei den Frauen wollen Müller/Tillmann (Seed 1) ihren Titel zum vierten Mal in Folge verteidigen. Ihre Herausforderinnen haben aber in den letzten Wochen nochmal stark aufgespielt. Gefordert werden sie dieses Jahr verletzungsbedingt nicht von Bock/Lippmann, die international zuletzt gute Leistungen gezeigt haben. Lippmann hatte bereits im letzten Jahr mit Laura Ludwig in Timmendorf den zweiten Platz erreicht. Dafür sorgt ein neu formiertes Team diese Saison für starke Auftritte. Ittlinger/Grüne (Seed 2) überzeugten international und holten zudem einen starken 2. Platz beim Tourstopp in München 1. Auch wenn die Saison für Borger/Schieder vielleicht nicht alle Erwartungen erfüllen konnte, werden sie von ihrem 4. Setzlistenplatz versuchen bis ins Halbfinale zu kommen und noch einmal für Spannung sorgen. Spannend wird es auch für das Duo Kunst/Paul (Seed 3). Sie haben in dieser Saison mit drei Tourstopp-Siegen (Hamburg, München 2, Berlin 2) starke Leistungen gezeigt, mussten jedoch den Rückschlag verkraften, dass Melanie Paul bei der Europameisterschaft nicht antreten durfte. In Timmendorf könnten sie sich für die Strapazen der vergangenen Wochen mit einer Podestplatzierung belohnen.Ein weiteres Team, das in dieser Saison überzeugt hat und sich tief in der Herzen der Fans gespielt hat, sind Barber/Gernert (Seed 6). Sie gewannen zwei Tourstopps (Berlin 1 und Bremen) und können heiße Kandidatinnen für das Halbfinale werden.

Newcomer bei der Deutschen Meisterschaft

Während Melanie Gernert bereits zum 18. Mal bei den Deutschen Meisterschaften antritt, feiern andere Teams und Spielerinnen in Timmendorf ihr Debüt.

Bei den Männern gibt es zwei neue Teams im Teilnehmerfeld: Für Kim Hubers Partner Valentin Schneckenburger ist es die erste Deutsche Meisterschaft, genauso wie für das Team Camp/Höppner. Beide Teams haben es während der Tourstopps auf der GBT immer nur bis in die Quali geschafft. Während sein Bruder Lui Wüst an der Seite von Paul Henning international sehr erfolgreich ist, hat sich Tamo Wüst mit seinem Partner Tristan Fröbel erstmals für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert. Mit einem starken 3. Platz beim Tourstopp München 2 und dem Setzlistenplatz 10 haben sie sich eine gute Ausgangsposition geschaffen.

Auch bei den Frauen gibt es einige Timmendorf-Rookies. Die jüngste Spielerin auf der Deutschen Tour und auch in Timmendorf ist die 16-jährige Anna-Chiara Reformat. Mit ihrer erfahrenen Partnerin und Stimmungskanone Chenoa Christ konnte sie die Zuschauer mit mutigen Ballwechseln und einem 3. Platz in Düsseldorf begeistern. Auch stark für die Zulassung in Timmendorf gekämpft haben die Teams Rosko/ Sarnighausen und Dreßen-Jancar, wobei es für Maja Rosko und Clara Dreßen die erste Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften ist. Aber keine Qualifikation war so knapp wie die von Gangey/Hesse. Punktgleich mit Claaßen/Interwies entschied das direkte Duell um den letzten Platz für Timmendorf. Da beide Teams bislang nur einmal gegeneinander gespielt hatten – und Gangey/Hesse dieses Spiel gewannen – sicherten sie sich somit das Ticket für die Deutschen Meisterschaften. Seit der verletzungsbedingten Abmeldung von Bock/Lippmann ist klar, dass es beide Teams ins Turnier geschafft haben.

Nicht nur Timmendorf verabschiedet sich

Nicht nur der Standort Timmendorf verabschiedet sich, auch bei einigen Spielerinnen und Spielern stehen Veränderungen an. Nachdem Bennet Poniewaz aufgrund seiner Verletzung sein Karriereende schon mitten in der Saison bekannt geben musste, tritt nun auch David Poniewaz ein letztes Mal an - gemeinsam mit Luis Kubo. Die Fans können schon mal ihre Stimme für „Kubowaz Ole“ aufwärmen. Das Team Uhl/Schürholz hat ebenfalls angekündigt, nach der Deutschen Meisterschaft getrennte Wege zu gehen. Ihre Vorstellungen über Leistungssport und den richtigen Umgang damit unterscheiden sich, was sich nicht mehr mit einer gemeinsamen Entwicklung vereinbaren lässt. Über Instagram gaben außerdem Carla Borger und Marie Schieder ihre Trennung bekannt. Solche Veränderungen sind im Beachvolleyball keine Seltenheit. Neue Partnerkonstellationen gehören zum Sport dazu und bedeuten oft eher einen nächsten Entwicklungsschritt als ein negatives Ende.

Traditionsreiche Duelle

Vielleicht erleben die Zuschauerinnen und Zuschauer in diesem Jahr noch einmal Duelle, die bereits in Timmendorf stattgefunden haben. So standen sich Melanie Gernert und Anna Behlen schon 2012 erstmals gegenüber – damals noch mit anderen Partnerinnen. Auch Karla Borger traf bereits 2009 in Timmendorf auf Gernert. Eric Stadie-Seeber trat 2015 erstmals gegen die Poniewaz-Zwillingen an, während Nils Ehlers 2016 sein erstes Match gegen Yannik Harms bestritt. In jüngerer Vergangenheit kam es drei Jahre in Folge zum Aufeinandertreffen von Clemens Wickler mit den Brüdern Georg und Peter Wolf – zuletzt von 2020 bis 2022. Auch in diesem Jahr dürfen wir uns wieder auf dieses traditionsreiche Duell freuen.

Das Teilnehmerfeld verspricht einige enge Spiele, auch wenn die Favoritenrollen klar sind. Doch wie so oft im Beachvolleyball lässt sich der Ausgang nicht immer vorhersagen: mentale Stärke, Tagesform, Wetter und die Stimmung am Court können jederzeit den Unterschied machen. Hinzu kommt, dass die meisten World-Tour-Teams normalerweise mit Mikasa-Bällen spielen und sich erst kurz vor dem Turnier auf den Wilson-Ball umstellen müssen.

Für die Fans bedeutet das: vier Tage voller Spannung, Beachvolleyball, Strand und Party. Ein letztes Mal in Timmendorf, bevor die Deutsche Meisterschaft ab 2026 in Dortmund fortgesetzt wird.

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