Madeira
Grüne Gipfel über dem Atlantik
Die Gästeliste Madeiras ist sportlich erstklassig besetzt: In Funchal kam 1985 ein gewisser Cristiano Ronaldo zur Welt, der bei CD Nacional seine ersten Bälle trat, bevor er die Fußballwelt eroberte. Ihm begegnest du übrigens schon bei der Ankunft, denn der Inselflughafen ist offiziell nach ihm benannt. Die Landung dort ist gleich das erste kleine Abenteuer. Die Piste war ursprünglich extrem kurz und klebt bis heute spektakulär zwischen Steilküste und Atlantik, ein Teil ruht sogar auf hohen Pfeilern über dem Meer. Wegen der tückischen Fallwinde und der engen Flugkurven, dürfen hier nur speziell geschulte Piloten ans Steuer.
Nur etwa 45 Kilometer in Richtung Norden liegt das charmante Städtchen São Vicente. Obwohl du das Meer direkt vor der Tür hast, fühlt es sich hier oben oft an wie in den Bergen. Dank moderner Tunnel und dem spektakulären Encumeada-Pass (1.007 m) erreichst du von São Vicente aus die meisten Ecken der Insel in unter einer Stunde.
Wir zeigen dir die Highlights der ganzen Insel, vom Gipfelgrat über den Wolken bis zum schwarzen Lavapool.

Kultur
São Vicente erzählt die Geburtsgeschichte der Insel quasi vor der Haustür. Die Grutas de São Vicente, ein rund 890.000 Jahre altes System vulkanischer Lavaröhren, gehören eigentlich zu den spannendsten Naturattraktionen Madeiras. Derzeit sind die begehbaren Lavatunnel jedoch vorübergehend geschlossen. Trotzdem lohnt sich ein Besuch. Das Vulkanzentrum (Centro do Vulcanismo) und das dazugehörige Museum sind weiterhin geöffnet und erklären anschaulich, wie Madeira durch vulkanische Aktivität aus dem Atlantik emporwuchs. Moderne Ausstellungen, Filme und interaktive Stationen machen die Entstehungsgeschichte der Insel lebendig. Unser Tipp: Informiere dich vor deinem Besuch über den aktuellen Stand der Arbeiten, vielleicht sind die beeindruckenden Lavatunnel bis zu deiner Reise bereits wieder zugänglich.
Für das urbane Madeira fährst du nach Funchal. In der Zona Velha, der Altstadt, schlenderst du über zahlreich gemusterte Kopfsteinpflaster, vorbei an vielen fröhlich bunten Haustüren. Jeder Weg ist ein eigenes kleines Kunstwerk: Die typische portugiesische Pflasterkunst, die Calçada, zieht sich mit kunstvollen schwarz-weißen Mustern über ganze Plätze und Straßenzüge, soweit das Auge reicht. Und du wirst nicht müde werden, die hübschen Muster immer wieder zu bestaunen.
Im Mercado dos Lavradores stapeln sich derweil tropische Früchte, Blumen und frischer Fisch. Probier dich hier unbedingt durch die vielen Maracuja-Sorten, für die Madeira berühmt ist. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen, von zitronig über bananig bis hin zur Tomaten-Maracuja. Viele Stände lassen dich kosten, bevor du zugreifst. Aber Augen auf, hier wird manchmal getrickst: Hin und wieder bekommt die Probier-Maracuja heimlich ein Prischen Zucker spendiert, damit sie betörend süß schmeckt und du gar nicht anders kannst, als gleich ein Kilo mitzunehmen.

Weiter westlich liegt Câmara de Lobos, Madeiras wohl malerischstes Fischerdorf. Genau dieses Panorama mit den bunten Booten hat 1950 Winston Churchill so beeindruckt, dass er oberhalb der Bucht seine Staffelei aufbaute und das beeindruckende Panorama als Gemälde verewigte. Heute trinkst du an derselben Stelle eine Poncha, Madeiras Nationalgetränk aus Zuckerrohrschnaps, Honig und Zitrone. Aber achtung, das Zeug hat es in sich.
Und weil die Liebe zu Madeira durch den Magen geht: Probier unbedingt den Espada, den schwarzen Degenfisch, der in den tiefen Gewässern rund um Madeira besonders häufig gefangen wird. Klassisch kommt er mit gebratener Banane und einer fruchtigen Maracujasoße auf den Teller, eine ungewohnte Kombination, die ein echtes kulinarisches Highlight ist. Als Vorspeise solltest du dir die Lapas nicht entgehen lassen: gegrillte Napfschnecken aus dem heißen Pfännchen, mit Knoblauchbutter und Zitrone. Lass dich von dem Gedanken an Schnecken nicht abschrecken. Sie sehen aus wie Muscheln und schmecken auch so, unbedingt testen!
Sport
Wandern und Madeira gehören zusammen wie Poncha und schlechte Ideen.
Die absolute Königstour ist die Gratwanderung vom Pico do Arieiro (1.818 m) zum Pico Ruivo (1.862 m), dem höchsten Berg der Insel und einem der höchsten Gipfel Portugals. Auf rund elf Kilometern führt der Weg über schmale Grate, durch in den Fels geschlagene Tunnel und über unzählige Treppenstufen. Anstrengend, aber die Aussicht über das zentrale Bergmassiv und das Wolkenmeer unter dir ist die Mühe wert. Starte früh, am besten zum Sonnenaufgang und mit einer Stirnlampe. Wer es entspannter mag, erreicht den Pico Ruivo in rund anderthalb Stunden auch über die kurze Route ab Achada do Teixeira. Informiere dich vor deiner Tour über den aktuellen Status des PR1, da Wege nach Felsstürzen und Instandsetzungsarbeiten zeitweise gesperrt oder nur eingeschränkt begehbar sein kann.

Am größten Strand der Insel, der Praia Formosa (Funchal), triffst du regelmäßig eine Beachvolleyball Community aus Locals und Zugereisten. Am besten schaust du nach „Madeira Friends“ auf Social Media, da werden die Treffen veröffentlicht.

Erholung
Nach den Beinen kommt die Belohnung, und die ist auf Madeira nass und vulkanisch. Dein nächstgelegener Geheimfavorit liegt nur ein paar Minuten westlich: die Naturpools von Seixal. Diese kostenlosen, von Lavafelsen umrahmten Becken sind weniger bekannt als ihr großer Bruder und liegen an einem schwarzen Sandstrand, über dem Wasserfälle die grünen Klippen herunterrauschen. Vorsicht beim Reinsteigen, denn der Fels ist glatt.
Knapp 16 Kilometer weiter westlich wartet der Klassiker: die Naturschwimmbecken von Porto Moniz, geschützte Salzwasser-Pools, die das Meer in die erstarrte Lava gespült hat. Hier springst du mitten im Atlantik ins kühle Nass, ohne dass dich die Brandung umhaut.
Wer dem Meer lieber vom Boot aus begegnet, startet eine Delfin- und Walbeobachtungstour ab Funchal. Vor der Südküste tummeln sich das ganze Jahr über verschiedene Delfinarten und mit etwas Glück tauchen sogar Wale auf.
Wenn dir der Sinn nach hellem Sand statt schwarzem Lavakies steht, lohnt sich der Sprung an die Südküste, etwa zum künstlich angelegten Sandstrand von Calheta, wo es spürbar sonniger und ruhiger zugeht als im wilden Norden. Auf dem Weg dorthin liegt mit dem Cabo Girão zudem eine der höchsten Steilklippen Europas: 580 Meter über dem Meer kannst du auf einer gläsernen Aussichtsplattform (Skywalk) stehen und senkrecht nach unten blicken. Nichts für schwache Nerven.
Hier könntest du deinen Traumurlaub verbringen
Drei Geheimtipps, die nicht jeder kennt
1. Fanal: der Märchenwald im Nebel
Oben auf dem Hochplateau Paúl da Serra, von São Vicente aus über das Tal erreichbar, liegt der Fanal. In diesem Teil des uralten Lorbeerwaldes stehen jahrhundertealte, knorrige Til-Bäume, die im häufigen Nebel wie verwunschene Gestalten wirken. Kein Wunder, dass der Ort zu den meistfotografierten Naturkulissen der Insel zählt. Komm früh oder am späten Nachmittag, dann hast du die mystische Stimmung fast für dich allein.
2. Ponta de São Lourenço: Madeira mal ganz anders
Ganz im Osten der Insel verwandelt sich das satte Grün plötzlich in eine karge, ockerfarbene Mondlandschaft. Die schmale Halbinsel Ponta de São Lourenço ist windgepeitscht, baumlos und vulkanisch zerklüftet, ein kompletter Kontrast zum Rest Madeiras. Der gut markierte Wanderweg über die Klippen mit dem Atlantik auf beiden Seiten gehört zu den schönsten Küstentouren der Insel. Schatten gibt es keinen, also Sonnenschutz und Wasser nicht vergessen.
3. Teleférico der Achadas da Cruz: der spektakulärste Abstieg der Insel
Im äußersten Nordwesten, nicht weit von deiner Basis, hängt eine der steilsten Seilbahnen Europas. Vom Dorf Achadas da Cruz schwebst du in wenigen Minuten Hunderte Höhenmeter eine fast senkrechte Felswand hinab zu einer einsamen Fajã am Meer, einer winzigen, von Bauern bewirtschafteten Küstenebene. Unten erwarten dich Stille, das Rauschen des Atlantiks und das Gefühl, am Ende der Welt zu stehen.
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allgemeine Anfrage
Fazit
Egal, wo du einkehrst: Die Madeirenser begegnen dir mit einer Offenheit und Gelassenheit, die einfach ansteckt. Ein netter Schnack, ein ehrlich gemeinter Tipp zur schönsten Levada oder zum besten Lokal um die Ecke gehört hier dazu. Ungeduld und Stress wirst du auf der grünen Insel nicht beobachten, hier hetzt niemand durch die Gassen. Also pack ganz fix deinen Reisekoffer, setz dich in den nächsten Flieger und lass dich anstecken von der herrlichen portugiesischen Gelassenheit.
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