Ungewöhnliche Standortbestimmung

Deutsche Nachwuchshoffnungen gehen im österreichischen Baden dieses Wochenende auf Medaillenjagd. Bei der U22-Europameisterschaf treffen sie nicht nur auf junge Shootingstars der Beach-Volleyball-Welt, sondern auch auf bekannte Gesichter aus der Volleyball-Bundesliga. 

Eine Wundertüte auf mehreren Ebenen 

Es sind ungewöhnliche Umstände, unter denen im österreichischen Baden derzeit die U22-Europameisterschaft stattfindet. “Wir konnten lang kein Turnier spielen und wissen auch nicht, wie die anderen Nachwuchsteams durch die Pandemie gekommen sind”, sagt Jörg Ahmann, Nachwuchs-Chef-Bundestrainer der Damen. Obwohl er sich deswegen schwer tut, eine Prognose für das Turnier abzugeben, sieht er mit dem russischen Top-Duo Mariia Bochoravo/Maria Voronina klare Favoritinnen auf den Titel. 

Vor allem mit Anna Grüne und Svenja Müller schickt Deutschland aber ein Team in den Titelkampf, das von Setzlistenplatz fünf durchaus auf die Medaillen schielen darf. “Unsere Teams sind leider nicht wirklich eingespielt”, beteuert er aber. Wie es ist, einen Titel bei einer Nachwuchs-Europameisterschaft zu holen, kennt Svenja Müller zwar schon: 2018 war sie noch mit Lea Sophie Kunst bei der U18-Europameisterschaft angetreten und hatte Gold gewonnen. Kunst ist in Baden auch wieder mit am Start, dieses Mal allerdings mit Nele Schmitt. 

Zum Favoritinnenkreis dürften auch Anete Namike und Varvara Brailko aus Lettland zählen, die bei der U20-EM im vergangenen Jahr ganz oben auf dem Podest landeten. Mit großen Hoffnungen angereist, hatte es da für Müller und Grüne nur zu einem neunten Platz gereicht. Wer einen Blick auf die Teilnahmeliste wirft, könnte auch außerhalb der Top-Teams einige interessante Namen entdecken. Mit Mara Betschart nimmt zum Beispiel die jüngere Schwester der internationalen Topspielerin Nina Betschart am Turnier teil und sogar aus der deutschen Hallenbundesliga sieht man in Baden bekannte Gesichter: Emilie Olimstad aus Norwegen spielt seit 2019 bei den Ladies in Black Aachen.

Duell mit den schwedischen Shootingsstars schon in der Gruppenphase

Während die deutschen Damen bereits (erfolgreich) ihre ersten Gruppenspiele absolviert haben, geht es am Donnerstagnachmittag dann auch für die Nachwuchs-Herren los. Mit Rudy Schneider und Lukas Pfretzschner, der für seinen verletzten Bruder Simon einspringt, geht für Deutschland von Setzlisten Platz drei ein Team mit Medaillenhoffnungen ins Rennen.

Das erste Turnierhighlight lässt allerdings noch bis Freitagnachmittag auf sich warten: Dann treffen Pfretzschner/Schneider auf die Nachwuchs-Shootingstars David Åhman und Jonatan Hellvig. Die jungen Schweden haben nicht nur mit Titeln bei der U18-EM und der U20-EM sowie mit einem neunten Platz beim Vier-Sterne-Turnier in Doha auf sich aufmerksam gemacht, sondern zelebrieren auch einen fast einzigartigen Spielstil. 

Bei jedem Spielaufbau halten sie sich mehrere Angriffsvarianten offen, indem sich der Zuspieler schon beim zweiten Ballkontakt in eine Angriffsposition bringt. Dadurch schaffen sie es, auch routinierte Blocker immer wieder in eine schlechte Ausgangsposition zu bringen - und sorgen für spektakuläre Ballwechsel. Der Erfolg dieses Spielstils steht und fällt aber mit einer guten Annahme und einer präzisen Technik: Ob er sich auf internationalem Toplevel bewähren wird, bleibt abzuwarten. Bei der U22-EM sind die Schweden aber in jedem Fall Topfavorit.