Die australische Beach-Volleyball-Renaissance

Ein Blick zurück ins Jahr 2000 zeigt, wie stark Beachvolleyball und Australien miteinander verbunden sind. Bei den Olympischen Spielen in Sydney wurden die Turniere am berühmten Bondi Beach in einem temporären Stadion mit 10 000 Sitzplätzen ausgetragen. Während der Olympischen Spiele war der Bondi Beach Court der Mittelpunkt weltweiter Fernsehberichterstattung und eine der meistbesuchten Spielstätten. 

Jetzt, fast 25  Jahre nach den ozeanischen Olympischen Spielen, kämpfen vom 14. bis zum 23. November die 192 besten Spielerinnen und Spieler in 48 Frauen- und 48 Männerteams aus 40 vertretenen Ländern um den Weltmeistertitel. Diese erste WM auf australischem Boden ist mehr als ein sportliches Ereignis – sie spiegelt sich in einem Austragungsort und einem Rahmenprogramm wider, die so lebendig und einzigartig sind wie das Land selbst. 

Der australische Sand ist bereit und die Teams sind heiß

Die Austragungsorte sind The Drive (eine überdachte Sportstätte) und Pinky Flat, ein Teil des Tarntanya Wama – Parks, der in der indigenen Sprache der Kaurna (Stamm in und um Adelaide/Südaustralien) „Adelaide Oval“ bedeutet, angelehnt an die Form des Parks.  

Im Central Beach District, dem Herzstück des Großevents, befinden sich der Center Court und vier weitere Sidecourts, die zu den Schauplätzen der Gruppenspiele, Ausscheidungsphasen und Finalspiele werden. Neben Weltklasse-Beachvolleyball, erwartet die Besucherinnen und Besucher ein vollgepacktes Unterhaltungsprogramm mit Musik, Streetfood und kulturellen Highlights – eine Hommage an Adelaides multikultureller Szene. Und das alles direkt am Ufer des Torrens River und mit Blick auf die Skyline von Adelaide.  

Der australische Volleyballverband Volleyball Australia rechnet damit, dass die Veranstaltung mehr als 75.000 Zuschauer aus aller Welt anziehen wird. Der Center Court des Memorial Drive Parks in Adelaide fasst rund 4.000 Zuschauende.

Medaillengewinner:innen von 2023 wollen es nochmal wissen

Wie nicht anders zu erwarten, ist die WM hochkarätig besetzt. Teams aus allen Kontinenten treten gegeneinander an – darunter auch die Weltmeisterinnen und Weltmeister von 2023, die ihren Titel verteidigen wollen. 

Bei den Männern versuchen die Tschechen Perusic/Schweiner, ihre Goldmedaille aus dem Jahr 2023 zu verteidigen. Auch Åhman/Hellvig aus Schweden sowie Losiak/Bryl aus Polen, die vor zwei Jahren auf dem Podest standen, gehören erneut zu den Favoriten und haben gute Chancen, wieder weit zu kommen. 

Bei den Frauen liegt die Titelverteidigung in den Händen von Kelly Cheng und ihrer neuen Partnerin Molly Shaw (USA). Die brasilianischen Olympiasiegerinnen Ana Patrícia Ramos und Eduarda „Duda“ Santos Lisboa belegten bei der letzten Weltmeisterschaft den zweiten Platz, während das US-Duo Nuss/Brasher, das in Gstaad zwei Jahre in Folge das Elite-Turnier gewann, sich den dritten Platz sicherten. 

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Wer erhebt sonst noch Anspruch auf den Titel

Zusätzlich richtet sich der Blick auch aufstrebende, neue oder neu formierte Teams wie beispielsweise Hölting Nilsson/Andersson, E. (Schweden), die trotz ihres jungen Alters schon mehrere Challenge-Turniere und zuletzt das Elite16 in Kapstadt gewonnen haben.   

Zu einem der aufstrebendsten Frauenteams zählt das Schweizer Duo Anouk und Zoé Vergé-Dépré. Beide haben bereits einzeln Erfolge gefeiert – so gewann Anouk Vergé-Dépré gemeinsam mit Joana Mäder bei den Olympischen Spielen 2021 als erstes Schweizer Frauenteam überhaupt Bronze. Seitdem die Schwestern gemeinsam auf dem Court stehen, geht es weiter bergauf: Sie wurden Schweizer Meisterinnen 2025, triumphierten beim Challenge-Turnier in Alanya und sicherten sich beim Elite16 in Gstaad ebenfalls Bronze. 

Auch Gastgeber Australien ist stark vertreten: Insgesamt haben sich fünf Männer- und vier Frauenteams für das Turnier qualifiziert. Bei den Männern gelten Carracher/Nicolaidis als heimische Hoffnungsträger – das Duo belegt derzeit Rang 19 der Weltrangliste. Bei den Frauen ruhen die größten Erwartungen auf Clancy/Milutinovic, die aktuell auf Platz 30 geführt werden. Sie belegten beim Challenge-Turnier in Baden einen starken fünften Platz und treffen in der Gruppenphase unter anderem auf das deutsche Duo Lea Kunst/Melanie Paul. 

In der von den Australierinnen und Australiern mit Spannung erwarteten „Green & Gold”-Supersession am Eröffnungsabend (Freitag, 14.11.) auf dem Center Court werden drei australische Teams und Olympiasieger hintereinander präsentiert. Clancy/Milutinovic (Australien) gegen J. Zh. Wang/X. Y. Xia (China) eröffnen die Session, gefolgt von den Olympiasiegern von Paris, Åhman/Hellvig (Schweden) gegen Burnett/Hodges (Australien), und schließlich Nicolaidis/Carracher (Australien) gegen Iliyas/El Gharouti (Marokko). 

Chancen für die deutschen Teams

Die Auslosung der 12 Gruppen für die Beachvolleyball-Weltmeisterschaften fand bereits Mitte Oktober statt. Aus jeder Gruppe kommen die Gruppenersten, -zweiten sowie die vier besten Gruppendritten kommen direkt weiter in die Round of 32. Die vier besten Gruppendritten werden anhand der erzielten Punkte ermittelt; bei Punktgleichheit entscheidet zunächst die Satzratio (gewonnene durch verlorene Sätze) und, falls auch diese gleich ist, die Pointsratio (gewonnene durch verlorene Punkte). Die anderen Gruppendritten können sich über eine Lucky Loser Runde für das "Sechsentel-Finale" qualifizieren.

Nach der Auslosung der Gruppen zeigte sich Bundestrainer Christoph Dieckmann optimistisch: Alle deutschen Teams hätten realistische Chancen die K.-o.-Phase zu erreichen. Auch die internationale Volleyball-Föderation (FIVB) zählt Deutschland bei der WM in Adelaide zu den ausgeglichensten Nationen des Feldes, was ein Beleg für die nachhaltige Förderung von Spitzenleistungen im deutschen Beachvolleyball sei. 

Machbare Gruppen bei den Frauenteams

Bei den Frauenteams kommt es schon in der Gruppenphase zu einem Deutsch-Deutschen Aufeinandertreffen. In Gruppe H treffen Svenja Müller und Cinja Tillmann (Weltrangliste Platz 4) auf Linda Bock und Louisa Lippmann (Weltrangliste Platz 17).  

Mit ihrem letzten Sieg beim Elite16 in Kapstadt und einer konstant starken Saison haben Müller/Tillmann erneut bewiesen, dass sie zur Weltspitze gehören. Beide Teams haben sehr gute Chancen, sich gegen ihre vermeintlich schwächeren Gruppenkonkurentinnen Gonzalez/Navas (Puerto Rico) und Churin/Abdala (Argentinien) durchzusetzten und in die nächste Runde einzuziehen. 

Trotzdem ist die Ausgangslage mit dem deutschen Duell nicht ideal, wie Chef-Bundestrainer Christoph Dieckmann sagt: „Das ist natürlich suboptimal, zumal es wahrscheinlich die beiden Teams mit den besten Aussichten für Deutschland trifft.“ 

Das Team Ittlinger/Grüne (Weltrangliste Platz 15) bekommt es in Gruppe D mit den US-Amerikanerinnen Cannon/Kraft zu tun – einem der derzeit besten Teams der Welt. Zusätzlich sind die Französinnen Placette/Richard und das eher unbekanntes Team Vanessa/Mucheza aus Mosambik in der Gruppe. Sollten sie die starke Leistung mit ihren druckvollen Aufschlägen und effektiven Blocks wiederholen, die sie beim Elite-Turnier in Kapstadt gegen die Weltranglisten-Vierten Tina/Anastasija gezeigt haben, sind ihre Aussichten vielversprechend. Auch der Bundestrainer hält ein Weiterkommen als Gruppenzweite in die K.-o.-Runde für realistisch. 

Das vierte deutsche Frauenteam Lea Kunst und Melanie Paul (Weltrangliste Platz 71) können dank des über den Nations Cup gewonnenen Startplatzes für Deutschland bei der WM antreten, da sich die drei besser platzierten deutschen Teams über das World Ranking qualifiziert haben. In Gruppe L treffen sie auf die Teams Clancy/Milutinovic (Australien), Hüberli/Kernen (Schweiz), sowie Wang/Xia (China). Die Einschätzung des Bundestrainers fällt neutral aus: Es ist „ein sehr offener Pool“. „Das sind drei Teams mit jeweils einer sehr erfahrenen und einer jüngeren Spielerin – für Lea und Melanie bestehen in jedem Spiel Siegchancen“. Von den Deutschen Teams sind Kunst/Paul eher die Außenseiterinnen, die aber gute Chancen auf eine Überraschung haben, was sie mit ihrer Bronzemedaille im Challenge Turnier im Mai in Xiamen (China) gezeigt haben.  

Auch die Männerteams können es über die Gruppenphase hinaus schaffen

Auch bei den Männern erwarten uns spannende Gruppenspiele, bei denen die deutschen Teams gute Möglichkeiten aufs Weiterkommen in die K.-o.-Runde haben. In Gruppe D treffen Paul Henning und Lui Wüst (Weltrangliste Platz 22) auf die Weltranglisten-Vierten Evandro/Arthur Lanci (Brasilien), die in dieser Saison bereits starke Ergebnisse erzielt haben. Dieckmann sagt: „Das ist sicherlich eine Herausforderung, aber Paul und Lui haben gezeigt, dass sie sie schlagen können“. Auch im Spiel gegen die Argentinier Amieva/Bueno müsse man konzentriert auftreten und gegen Mora/Lopez (Nicaragua) sei ein Sieg Pflicht. 

Zum Meister konnten sich Lukas Pfretzschner und Sven Winter (Weltranglisten Platz 26) dieses Jahr in Timmendorf krönen - in Pool E sind sie an Position zwei gesetzt. Favoriten sind die Polen Bryl/Losiak (Weltrangliste Platz 8). „Es ist sicher nicht unmöglich, sie zu schlagen“, sagt Dieckmann.  

Bei der Europameisterschaft hatten Pfretzschner/Winter die Polen bereits am Rande einer Niederlage. Gegen die Österreicher Dressler/Waller erwartet der Bundestrainer das Duell um Platz zwei in der Gruppe. Das chinesische Team Wang Y. W./Du Hongjun gilt als unbeschriebenes Blatt. „In diesem Pool ist das Ziel klar: unter die ersten beiden zu kommen – und vielleicht sogar den Polen den Gruppensieg streitig zu machen“, so Dieckmann. 

Für Nils Ehlers und Clemens Wickler (Weltrangliste Platz 15) geht es in Gruppe K gegen die Capogrosso-Brüder (Argentinien). „Sie haben Ende letzten Jahres und Anfang dieses Jahres sehr stark gespielt, dann aber etwas nachgelassen.“ Die Chancen sie zu schlagen, stehen laut Christoph Dieckmann gut. Auch gegen Schachter/Pickett (Kanada) sei ein Sieg das Ziel, gegen Mondlane/Mungoi (Mosambik) gelte ein Erfolg als Pflicht. Der Bundestrainer betont: „Nils und Clemens haben gute Chancen, den Pool zu gewinnen und sich so eine optimale Ausgangsposition für die K.-o.-Runde zu sichern“. 

Australiens klare Linie gegen Vergewaltigung

Wie schon vor den Olympischen Spielen 2024 in Paris sorgt auch im Vorfeld der Weltmeisterschaften in Adelaide der niederländische Beachvolleyballspieler Steven van de Velde erneut für Diskussionen. Er hat kein Visum vom australischen Innenministerium erhalten, weil er im Jahr 2016 in Großbritannien wegen Vergewaltigung einer Zwölfjährigen zu vier Jahren Haft verurteilt wurde. Im Jahr 2014 lernte der damals 19-Jährige das britische Mädchen, damals 12 Jahre alt, über eine Onlineplattform kennen. Bei einem Besuch Van de Veldes in Großbritannien kommt es Geschlechtsverkehr, was nach britischem Recht als Vergewaltigung gesehen wird. 2016 wird er per europäischem Haftbefehl nach Großbritannien überführt und dort zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt. Die ersten zwölf Monate sitzt er dort ab, dann kehrt er über eine Vereinbarung mit der niederländischen Justiz zurück in seine Heimat.  

In den Niederlanden wurde der Fall im Rahmen der Strafvollstreckung nicht als Vergewaltigung, sondern nach nationalem Recht als Straftat wegen sexueller Handlungen gegen die Sittlichkeit eingestuft. Nach einem weiteren Monat in Haft wird er vorzeitig entlassen. Nach seiner Entlassung setzte er seine Karriere in den Niederlanden fort und qualifizierte sich für die Olympischen Spiele in Paris, was jedoch massive Kritik und Buhrufe bei seinen Spielen auslöste. 

Die zuständigen Sportverbände Nationale Nederlandse Sport Federatie (NOC*NSF) und Nederlandse Volleybalbond (NeVoBo) erklärten, dass Van de Velde seine Strafe verbüßt und ein professionelles Reintegrations- und Reha-Programm durchlaufen habe, womit er nach ihrer Einschätzung alle Kriterien für eine Rückkehr in den Spitzensport erfüllt.  

Van de Velde zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung, wolle diese aber nun hinnehmen. „Diese Entscheidung akzeptiere nicht nur ich, sondern auch der Rest des Teams, mit dem wir das ganze Jahr über eng zusammengearbeitet haben“, wird er in einer Presseerklärung des niederländischen Volleyball-Verbands zitiert.  Statt Van de Velde/ Brouwer wird das US-amerikanische Team Schalk/Shaw als Nachrücker an der Weltmeisterschaft teilnehmen.  

Übertragung neu gedacht

Alle Spiele werden live auf der Bezahlplattform volleyballworld.tv gestreamt. Zusätzlich können sich Beachvolleyballfans aus Deutschland besonders freuen: Spontent hat die Rechte bekommen, die Spiele mit deutscher Beteiligung auf Twitch zu übertragen und zu kommentieren. Gespielt wird aufgrund der Zeitverschiebung meist in den Nachtstunden zwischen 23:30 Uhr und 11:30 Uhr deutscher Zeit – perfekt für alle Beachvolleyball-Nacht-Eulen und Frühaufsteher. Darüber hinaus wird auf den Kanälen von Spontent und dem GBT-Kanal Content zu den deutschen Teams geliefert. Es kommt also auch einiges auf die Fans zu, die nicht vor Ort dabei sein können.  

Das erste Spiel mit deutscher Beteiligung findet am Samstag, dem 14. November um 4:30 Uhr zwischen Henning/Wüst und Amieva/Bueno statt. Das ist nur eines der spannenden Duelle, die uns inmitten der australischen Sommerkulisse erwarten – vielleicht mit einer deutschen Erfolgsgeschichte, bei der wir im Spätherbst vom Sofa aus mitfiebern können. 

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