Ersatzturniere statt German Beach Tour

Keine Beach-Volleyball-Tour durch Deutschland, dafür soll es nun eine Kombination aus Turnieren auf Landesverbandsebene und eine Eventserie in Zusammenarbeit mit Trops4 geben: Der Deutsche Volleyball-Verband muss Änderungen an der geplanten Tour vornehmen.

Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) sagt die nationale Tour in der geplanten Form ab. Lediglich das “King of the Court”-Turnier in Hamburg sowie die Deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand sollen stattfinden, noch offen ist die Austragung der Turniere in Kühlungsborn und St. Peter Ording. Grund dafür ist laut einer Pressemitteilung die andauernde Corona-Pandemie und fehlende Planbarkeit von Großevents. 

“Wir wollten in diesem Jahr wieder voll durchstarten und waren sehr optimistisch gestimmt, dass wir mit dem Fortschritt der Impfkampagne und möglichen Corona-Hilfen eine Tour durch Deutschland umsetzen können”, wird DVV-Präsident René Hecht in der Mitteilung zitiert und weiter: “Aufgrund der aktuellen Situation und in Abstimmung mit allen Ausrichtern, Landesverbänden und trops4 arbeiten wir an einem Alternativangebot, das wir zeitnah vorstellen.” Statt der “German Beach Tour” mit ihrem einheitlichen Konzept soll es nach aktuellem Stand eine Kombination aus mehreren aufgewerteten Turnieren auf Landesverbandsebene und einer mindestens dreiteiligen Eventserie in Düsseldorf geben, die vom Start-Up Trops4 unter Führung von Alexander Walkenhorst geplant und durchgeführt wird.

Es fehlte ein Plan B

Die vom DVV beauftragte Dienstleistungsgesellschaft Deutsche Volleyball Sport GmbH (DVS) unter Führung von David Klemperer hat es damit nicht geschafft, unter den erschwerten Bedingungen der Corona-Pandemie ein flexibles Konzept für die nationale Beach Tour zu entwickeln, das sich bei verschiedenen Szenarien umsetzen lässt und dessen Finanzierung über Sponsoren- oder Fördergelder gesichert ist. “Wir haben viele gute Gespräche geführt, die aber davon abhängig waren, wann wie viele Zuschauer wieder im Stadion sitzen dürfen. Solange keine Veranstaltungen erlaubt sind, bleibt es für Austragungsorte und Sponsoren eine schwierige Situation”, sagt Klemperer, “zudem konnten wir keine Corona-Hilfen in Anspruch nehmen.”

Mit der “German Beach Tour”, ihrer Reichweite und dem sportlichen hohen Niveau entfällt in diesem Jahr eine für die Sportart und Athlet:innen wichtige Plattform. Aber wo etwas wegfällt, da entsteht Platz für Neues: Bereits im vergangenen Jahr gelang es Trops4 mit verschiedenen Formaten, diese Lücke zu nutzen. In Düsseldorf sollen nun anstelle der geplanten dritten Ausgabe der “German Beach Trophy” schon ab Anfang Juni jeweils drei Turniere für Damen und Herren von freitags bis montags ausgetragen werden. Der zusätzliche Tag müsse laut Walkenhorst eingeplant werden, weil aus finanziellen und organisatorischen Gründen nur zwei Courts bespielt werden können. Von beiden Feldern soll es ein Streamingangebot geben, in welchem Umfang, ist allerdings noch nicht klar. Ob es noch weitere Turniere in Zusammenarbeit mit Trops4 geben wird, ist ebenfalls noch offen. 

Dass Walkenhorst und sein Team ein Turnier nach dem anderen auf die Beine stellen konnten, liegt auch an ihrer Start-Up-Struktur und ehrenamtlicher Hilfe, durch die viele Kosten im Vergleich zum Verband gespart werden. Zudem werden neue Ansätze in der Übertragung und Finanzierung gegangen. Dass es trotz dieser Erfolge bisher nicht zu einer Zusammenarbeit mit Trops4 gekommen ist, liegt an den immer wiederkehrenden Diskussionen um die Passivität des DVV und beleidigenden Äußerungen seitens Walkenhorst. Nun hat sich der Verband aber in eine Situation gebracht, in der er von den Landesverbänden und Trops4 abhängig ist, damit auf nationaler Ebene in größerem Umfang überhaupt Beach-Volleyball stattfinden kann. “Wir wollen im Sinne des Sports nach vorn blicken”, heißt es dazu von Hecht lediglich. “Um Fehler der Vergangenheit auszuschließen, wollen wir gemeinsam eine entsprechende Vereinbarung schließen, die die Interessen aller Seiten berücksichtigt, aber auch Werte wie Respekt, Diskriminierungsverbot in jeglicher Form und die Förderung des facettenreichen Sports widerspiegelt.” Diese Vereinbarung beinhaltet laut Walkenhorst auch, dass er nicht mehr als Kommentator im Stream auftreten wird.

Landesturniere werden aufgewertet

Weitere Turniere der Kategorie 1+ sollen außerdem von den Landesverbänden organisiert werden. Wie genau die Punkte verteilt werden sollen und welche Teams teilnahmeberechtigt sind, um sowohl eine sportliche faire Qualifikation zu den Deutschen Meisterschaften zu gewährleisten und alle Interessen der Beteiligten zu beachten, soll sich im Laufe der nächsten Tage entscheiden. Denn klar ist auch: Eigentlich sehen die Landesverbände ihre Aufgabe darin, Beach-Volleyball unterhalb des Leistungssports zu etablieren. Und die Spieler, die normalerweise auf den Events spielen, verlieren möglicherweise den Zugang dazu. “Die Qualität an der Spitze wird größer, aber die Teams in der Breite hätten aktuell das Nachsehen. Wie genau das aussehen wird, ergibt sich noch. Aber langfristig ist das auf keinen Fall eine Lösung, sonst geht es an die Qualität”, sagt deswegen Sven Frese, der unter anderem die Turniere der Kategorie 1+ auf Norderney und in Münster mitorganisiert.

“Es muss genug Möglichkeiten geben, um Punkte für die Qualifikation zu holen. Dafür brauchen wir mehr Turniere”, meint auch Melanie Gernert, langjährige Tourspielerin und Spielervertreterin. “Gleichzeitig können wir nicht einfach die Spieler, die sonst auf den Landesverbandsturnieren spielen, verdrängen. Es muss eine gerechte Lösung für alle geben.” Es dürfe niemand außen vor bleiben, ergänzt auch Jaromir Zachrich, DVV-Athletensprecher und Sportdirektor beim Westdeutschen Volleyball-Verband. 

So unklar viele Punkte und die Folgen somit noch sind, eines ist deutlich: Ein Imageschaden für den Verband und seine Vermarktungsagentur und damit für die ganze Sportart Beach-Volleyball lässt sich nicht vermeiden.

Update 4.6.2021: Zwei Turniertermine in Düsseldorf

Die ersten beiden Qualifikationsturniere für die Deutschen Beach-Volleyball-Meisterschaften in Timmendorfer Strand finden vom 11.-14. Juni sowie vom18.-21. Juni statt. Austragungsort ist Düsseldorf. Die Turniere bauen auf der Infrastruktur der Beach Trophy auf, die in diesem Jahr bereits zweimal in Düsseldorf stattgefunden hat, und werden in Kooperation mit Trops4 durchgeführt.