“Die Angst, jemand anderen angesteckt zu haben, ist schon ein doofes Gefühl”

Protokoll

Der Beach-Volleyball-Spieler Paul Becker ist am Coronavirus erkrankt. Hier erzählt er, wie es ihm ergangen ist. Ein Protokoll.

Anfang November hat sich der Beach-Volleyball-Profi Paul Becker (30) mit dem Coronavirus infiziert – drei Tage später kamen die ersten beunruhigenden Symptome. Nach einem “mittleren Verlauf” ist Becker nun wieder auf den Weg der Besserung. Hier berichtet er von seiner Angst und mahnt zur Vorsicht: “Das braucht man einfach nicht.”

Protokoll: So war der Krankheitsverlauf

“Ich habe mich wahrscheinlich bei einer Weinlese eines befreundeten Winzers angesteckt, dem ich immer helfe. Da war danach noch eine weitere Person positiv. Wir haben zeitgleich Symptome entwickelt - wer da wen angesteckt hat, keine Ahnung. Aber das ist halt draußen passiert, ne? Das war am 1. November. 

Drei Tage später habe ich angefangen, Symptome zu entwickeln. Erst Halsschmerzen und Müdigkeit, nach zwei Tagen habe ich dann innerhalb von einer Stunde Geschmacks- und Geruchssinn komplett verloren und Fieber bekommen. Am 5. November habe ich mich dann testen lassen, an einem Drive-In-Schalter. Ich konnte Wasser mit Kohlensäure, Fanta und Cola nicht auseinanderhalten. Ich habe trotzdem morgens immer meinen Kaffee getrunken, was eigentlich völliger Schwachsinn war. Das sind Rituale, die man irgendwie braucht, aber am Ende hat man einfach nichts geschmeckt. Eigentlich trinke ich auch gerne mal einen guten Wein und esse sehr gerne. Die Lust vergeht einem dann schon, ich habe deutlich weniger gefuttert. 


Ich konnte Wasser mit Kohlensäure, Fanta und Cola nicht auseinanderhalten."

Paul Becker über den Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn


Ein bisschen Angst habe ich bekommen, als meine Lunge angefangen hat, zu kribbeln. Das hatte ich noch nie, das kannte ich nicht. Da meinte das Gesundheitsamt, dass sie mich bei einer Verschlimmerung eventuell auch ins Krankenhaus bringen müssen. Mein Papa ist Arzt, mit ihm habe ich auch ein- oder zweimal am Tag telefoniert. Wir wissen mittlerweile ja, dass Leute in meinem Alter auch bei einem mittleren Verlauf meistens wieder gut rauskommen. Deswegen haben wir da auch gar keine Panik gemacht. 

So krank war ich aber noch nie, ich war wirklich komplett k.o. Insgesamt war ich über zehn Tage krank, ich lag nur im Bett und habe jede Nacht 12-13 Stunden gepennt. Vor zwei Tagen ging es dann wieder bergauf. Insgesamt war es wohl ein mittlerer Verlauf. Ich schmecke und rieche immer noch nicht komplett, aber das wird. Jetzt fühle ich mich wieder gesund und habe erstmal die Bude auf Vordermann gebracht, sowas bleibt ja dann liegen. 

Es geht gar nicht darum, Panik zu verbreiten. Aber vielleicht sensibilisiert meine Erfahrung nochmal, weiterhin vorsichtig zu bleiben. Auch wenn die meisten Verläufe bei Leuten in unserem Alter glimpflich bleiben, kann ich nur jedem wünschen, dass man die Krankheit bis zur möglichen Impfung nicht bekommt. Das braucht man einfach nicht. Zum Glück habe ich niemanden angesteckt. Vier Leute mussten nach einem gemeinsamen Arbeitstermin in Quarantäne, aus meinem privaten Umfeld niemand. Die Angst, jemand anderen angesteckt zu haben, ist schon ein doofes Gefühl.  


Vielleicht sensibilisiert meine Erfahrung nochmal, weiterhin vorsichtig zu bleiben. "


Eigentlich wollten Armin und ich am 1. November in die Vorbereitung starten, das hat sich jetzt um mindestens drei Wochen verschoben. Ich werde wahrscheinlich mindestens bis Weihnachten brauchen, um das alles wieder aufzuholen. Aber hey, immerhin wurde ich nicht mopsiger. Zu diesem Zeitpunkt ist das noch okay. Wie sehr das wirklich reingehauen hat, werde ich sehen, wenn ich mich die ersten Male wirklich bewegt habe. Ich hatte in den letzten drei Wochen ja nie einen Puls über 80. Wegen des Lungenkribbelns wurde mir geraten, noch bis mindestens Ende der Woche Pause zu machen.

Bis mindestens Donnerstag muss ich in Quarantäne bleiben, noch fällt mir die Decke aber nicht auf den Kopf. Der Volleyball Online Kongress hat mich zwei Tage gerettet, dann habe ich noch versucht, etwas für die Uni und so zu machen. Das ist gar nicht so leicht, man kommt schnell in eine Lethargie. Du vergammelst die Tage schon heftig. Ich lebe alleine, ein guter Kumpel hat mich mit Essen versorgt. Ich habe gezwungenermaßen verstanden, was es heißt, alleine zu sein. Das war ja auf 17 Tage begrenzt, trotzdem bekommt man ein Gefühl dafür. Ich habe dann mal sechs Stunden mit Freunden geskyped, das geht ja alles.  Ich habe mir irgendwann mal vorgenommen, dass ich mich nicht über Dinge ärgere, die ich nicht ändern kann. Das versuche ich mir weiterhin zu sagen.”

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